BWL · Kapitel 5/13

Kosten, Investition und Finanzierung

Betriebswirtschaft37 Min. LesezeitRelevanz ★★★

1 Internes Rechnungswesen: Kosten statt Aufwand ★★

Das interne Rechnungswesen liefert Zahlen für Entscheidungen im Unternehmen. Hier lernst du, warum es eigene Begriffe hat, was kalkulatorische Kosten sind und in welchen drei Stufen die Kostenrechnung arbeitet.

Wofür die Kostenrechnung da ist

Kostenrechnung: Werkzeug des internen Rechnungswesens, mit dem Führungskräfte Entscheidungen vorbereiten und auf Fakten stützen. Sie gehört zum internen Rechnungswesen, weil die Entscheidungen von Menschen getroffen werden, die im Unternehmen arbeiten.

Typische Fragen, die sie beantwortet:

Zu welchem Preis kann ich anbieten? (Selbstkostenkalkulation, Angebot bei einer Ausschreibung)
Wie viel muss ich verkaufen? (Break-even-Analyse)
Soll ich einen kurzfristigen Zusatzauftrag annehmen?
Welche Produkte in welchen Mengen stelle ich her? (Produktionsprogramm)

Kosten und Leistungen

Für das externe Rechnungswesen (Bilanz, GuV) gibt es strenge gesetzliche Regeln, damit sich Eigentümer, Banken und andere Stakeholder auf die Zahlen verlassen können. Intern darf man dagegen frei rechnen, wie es für die Entscheidung sinnvoll ist.

Externes RechnungswesenInternes Rechnungswesen
Aufwand = bewerteter GüterverbrauchKosten = bewerteter Güterverbrauch
Ertrag = bewertete GütererstellungLeistungen = bewertete Gütererstellung
gesetzlich geregeltkeine gesetzlichen Vorgaben
Gesamtüberblick über das Unternehmenviel detaillierter, je Produkt und Bereich

Meist verwendet man intern trotzdem dieselben Wertansätze wie extern (gleiche Löhne, gleiches Material, gleiche Abschreibungen). So hat das Unternehmen eine einheitliche Datenbasis, und es ist egal, ob man „Aufwand" oder „Kosten" sagt.

Anderskosten und kalkulatorische Kosten

Anderskosten: Kosten, die intern anders bewertet werden als in der GuV, z. B. eine Abschreibung vom geschätzten Wiederbeschaffungswert oder mit anderer Nutzungsdauer bzw. anderem Restwert. Das ist eher die Ausnahme.

Kalkulatorische Kosten: Werteverzehr, der nur in der Kostenrechnung angesetzt wird, weil er nicht pagatorisch ist, also zu keiner Zahlung führt. Im externen Rechnungswesen ist er verboten.

Pagatorisch: auf tatsächlichen Zahlungen beruhend (lateinisch pagare = zahlen).

Die zwei klassischen kalkulatorischen Kosten sind Opportunitätskosten, also entgangene Vorteile der besten Alternative:

Kalkulatorischer Unternehmerlohn: Was hätte ich als Angestellte verdient, statt mein eigenes Unternehmen zu führen?
Kalkulatorische Zinsen: Welche Zinsen hätte mein Geld gebracht, wenn ich es nicht als Eigenkapital ins Unternehmen gesteckt hätte?

Einfach erklärt: Lena führt eine kleine Kaffeerösterei. Als Angestellte in einer Großrösterei bekäme sie 30.000 € im Jahr. Dieses Gehalt zahlt sie sich nicht wirklich aus, es ist also kein Aufwand. Für ihre Preiskalkulation zählt sie es aber als Kosten mit, sonst würde sie sich selbst „gratis" arbeiten lassen.

Prüfungsfalle: Kalkulatorische Kosten werden nur intern (Kostenrechnung) angesetzt, nie in Bilanz und GuV. Wer behauptet, es sei umgekehrt, liegt falsch.
Prüfungsfalle: Weil der kalkulatorische Unternehmerlohn kein Aufwand ist, ist der Gewinn laut GuV höher als der kalkulatorische Gewinn der Kostenrechnung. Von diesem buchhalterischen Gewinn muss die Unternehmerin aber auch leben.

Die drei Stufen der Kostenrechnung

1Kostenartenrechnung: Welche Kosten sind in welcher Höhe angefallen? (Material, Personal, Abschreibungen … ähnlich den Aufwandsarten der GuV, nur viel detaillierter)
2Kostenstellenrechnung: Wo, in welchem Bereich, sind sie angefallen? (Beschaffung, Produktion, Verwaltung, Vertrieb …)
3Kostenträgerrechnung: Wofür, für welches Produkt oder welche Dienstleistung? (z. B. Kalkulation der Herstellungskosten eines Produkts)

Man spricht auch von Stufen, weil man meist genau in dieser Reihenfolge vorgeht: erfassen, auf Bereiche verteilen, auf Produkte rechnen.

Prüfungsfalle: Kostenstellen sind Verantwortungsbereiche im Unternehmen (das „Wo"). Kostenträger sind die erstellten Leistungen, also Produkte und Dienstleistungen (das „Wofür"). Nicht vertauschen.

VertiefungKostenstellen und Kostenträger genauer

Kostenstellen können ganz unterschiedlich gebildet werden:

Funktionsbereiche: Beschaffung, Produktion, Verwaltung, Absatz
Regionale Bereiche: Filialen, Niederlassungen in Europa oder Asien
Sparten: z. B. Bereich Mobilität, Bereich Energie
Kleinere Einheiten: einzelne Abteilungen oder Teams

Kostenträger heißen so, weil die Produkte die Kosten „tragen" müssen: Mit ihrem Verkaufspreis sollen sie die angefallenen Kosten mindestens wieder hereinholen. In der Kostenträgerrechnung werden die Kosten deshalb auf die einzelnen Leistungen verteilt.

2 Kostenbegriffe: Einzel- und Gemeinkosten, fixe und variable Kosten ★★★

Kosten lassen sich nach zwei ganz verschiedenen Prinzipien einteilen: Kann man sie einem Objekt zuordnen? Und ändern sie sich mit der Menge? Beides wird in Prüfungen gern vermischt.

Einzelkosten und Gemeinkosten

Einzelkosten (direct costs): Kosten, die einem Kostenobjekt direkt und ursächlich zugeordnet werden können.

Gemeinkosten (indirect costs): Kosten, bei denen diese ursächliche Zuordnung nicht möglich ist. Man verteilt sie mit einem Verteilungs- oder Zuteilungsschlüssel.

Die Unterscheidung gilt immer in Bezug auf ein Objekt, deshalb gibt es zwei Paare:

ObjektEinzelkostenGemeinkosten
KostenstellePersonal, das fix einer Abteilung zugeordnet istMiete und Versicherung eines Gebäudes für mehrere Abteilungen
KostenträgerFertigungsmaterial (steckt direkt im Produkt)Abschreibung einer Maschine, auf der mehrere Produkte laufen

Gebäudekosten verteilt man z. B. nach genutzten Quadratmetern auf die Abteilungen. Abschreibungen für Maschinen heißen auch Fertigungsgemeinkosten.

Andere mögliche Kostenobjekte: Projekte, Kunden bzw. Kundengruppen oder Aktivitäten (etwa eine Qualitätskontrolle). Genau genommen müsste man das Objekt immer dazusagen, z. B. „Projekteinzelkosten".

Prüfungsfalle: Ein Verteilungsschlüssel macht Gemeinkosten nicht ursächlich zurechenbar. Er ist nur ein Hilfsmittel, um Kosten, die man eigentlich nicht zurechnen kann, einigermaßen sinnvoll aufzuteilen.

Rechenbeispiel Zuschlagskalkulation in der Bäckerei

Eine Bäckerei backt Brot und Kuchen im selben Ofen. Die Abschreibung des Ofens beträgt 6.000 € im Jahr (Kostenträgergemeinkosten).

Die Materialeinzelkosten sind eindeutig: Brot 20.000 €, Kuchen 10.000 €, zusammen 30.000 €.

1Zuschlagssatz: 6.000/30.000=20 % auf die Materialeinzelkosten
2Brot: 20.000⋅0,2=4.000 €
3Kuchen: 10.000⋅0,2=2.000 €

Ergebnis: Die Ofenkosten werden im Verhältnis 2 : 1 verteilt. Das nennt man Zuschlagssatz bzw. Zuschlagskalkulation. Ob das Brot den Ofen wirklich doppelt so stark nutzt, weiß man nicht genau, der Schlüssel ist eine Annahme.

Variable Kosten, Fixkosten, sprungfixe Kosten

Variable Kosten: verändern sich mit der produzierten Menge (z. B. Mehl pro Brot).

Fixkosten: bleiben gleich, egal wie viel produziert wird (z. B. Miete der Backstube, die auch bei null Stück anfällt).

Sprungfixe Kosten: sind bis zu einer bestimmten Menge fix und „springen" dann auf ein höheres Niveau, z. B. wenn eine zweite Maschine nötig wird.

Kostenpositionfix oder variabel?
Material pro Stückvariabel
Miete der Hallefix
Abschreibung einer Maschinefix (wenn die Menge die Nutzungsdauer nicht beeinflusst)
Monatsgehaltfix
Stundenlohn oder Stücklohnvariabel
Strom einer Maschinevariabel

Fixkosten sind meist nur kurzfristig fix. Langfristig werden sie zumindest teilweise abbaubar: Personal kann abgebaut, eine Maschine verkauft, eine Halle verkleinert werden.

Zwei verschiedene Prinzipien

Einzel- vs. Gemeinkosten fragt: Lassen sich Kosten einem Kostenobjekt ursächlich zuordnen?

Variabel vs. fix fragt: Ändern sich Kosten mit einer Kosteneinflussgröße?

Kosteneinflussgröße (Kostentreiber, Cost Driver): die Größe, von der die Kosten abhängen. Meist ist es die hergestellte Menge (auch „Beschäftigung" genannt, daher beschäftigungsvariable bzw. beschäftigungsfixe Kosten). Andere Kostentreiber: geleistete Beratungsstunden, Anzahl der Online-Transaktionen, betreute Kundinnen im Vertrieb, betreute Führungskräfte in der Personalabteilung.

Die Kombinationen kommen alle vor:

Variable Einzelkosten: Material im Produkt
Fixe Gemeinkosten: Miete, Abschreibung, Gehälter (kurzfristig)
Variable Gemeinkosten: Strom einer Maschine, auf der mehrere Produkte laufen (hängt von der Menge ab, lässt sich aber keinem Produkt genau zuordnen)

Prüfungsfalle: In der Praxis werden Kostenträgereinzelkosten oft einfach „variable Kosten" und Gemeinkosten oft „Fixkosten" genannt. Das ist ungenau: Kostenträgereinzelkosten sind zwar immer variabel, aber Gemeinkosten können auch variabel sein.

VertiefungEntscheidungsvariable und entscheidungsfixe Kosten

Als Kosteneinflussgröße kann man sogar eine Entscheidung nehmen. Überlegt die Rösterei, für einen Weihnachtsmarkt 200 zusätzliche Packungen herzustellen, dann sind:

entscheidungsvariabel: Rohkaffee, Verpackung, Standgebühr und Anfahrt (fallen nur an, wenn sie Ja sagt)
entscheidungsfix: Röstmaschine und Verwaltung (fallen so oder so an)

Für die Entscheidung zählen nur die Kosten, die sich durch sie verändern.

Die beiden Prinzipien überlappen sich, weil ein Kostenobjekt (ein Produkt) zugleich eine Kosteneinflussgröße sein kann: die Menge dieses Produkts.

VertiefungVerrechnungspreise: Abteilungen „verkaufen" einander Leistungen

Verrechnungspreis: interner Preis, zu dem eine Kostenstelle einer anderen eine Leistung „verkauft", wenn zwischen ihnen Leistungen ausgetauscht werden (Leistungsverflechtung).

Innerbetriebliche Leistungsverrechnung: das Zuteilen der Kosten auf Kostenstellen, deren Weiterverrechnung zwischen Kostenstellen (über Verrechnungspreise) und schließlich die Verrechnung auf die Kostenträger.

Man tut so, als wären die Abteilungen eigene Unternehmen. Es fließt aber kein echtes Geld. Typisch ist eine Kette: Die Einkaufsabteilung gibt Rohstoffe zu einem Preis pro Einheit an die Fertigung weiter (und wird damit von ihren Kosten „entlastet"), die Fertigung gibt Vorprodukte an die Endmontage weiter.

Rechenbeispiel Interne IT-Abteilung: selber machen oder zukaufen?

Die IT-Abteilung eines Versandhändlers verrechnet der Marketingabteilung 80 € pro Arbeitsstunde. Im Jahr leistet sie 500 Stunden, ihre eigenen Kosten (Personal, Räume, Laptops) betragen 38.000 €.

1Bewertete Leistung: 500⋅80=40.000 €
2„Gewinn" der Kostenstelle: 40.000−38.000=2.000 €
3Kosten pro Stunde intern: 38.000/500=76 €
4Eine externe Agentur würde 70 € pro Stunde verlangen.

Ergebnis: Obwohl die IT-Abteilung intern einen „Gewinn" ausweist, ist sie teurer als der Markt. Solche Vergleiche sind die Grundlage einer Make-or-Buy-Entscheidung (selbst machen oder zukaufen).

3 Preiskalkulation, Deckungsbeitrag und Break-even ★★★

Jetzt wird gerechnet: Wie hoch sind die Kosten pro Stück, warum sinken sie mit der Menge, und ab welcher Menge macht man Gewinn?

Selbstkosten pro Stück und Fixkostendegression

Selbstkosten: alle Kosten, die auf ein Stück entfallen (variable Stückkosten plus anteilige Fixkosten). Unter den getroffenen Annahmen sind sie die langfristige Preisuntergrenze.

FormelSelbstkosten pro Stück
k=kv+Kfx

In Worten: Die Kosten pro Stück sind die variablen Kosten pro Stück plus der Anteil an den Fixkosten, der auf jedes Stück fällt.

k = Selbstkosten (Stückkosten)kv = variable StückkostenKf = Fixkosten der Periodex = Menge
Beispiel ansehen

Lenas Rösterei: Rohkaffee und Verpackung kosten 4 € pro Packung. Die Röstmaschine kostet 30.000 € und hält 6 Jahre, also Abschreibung 30.000/6=5.000 € pro Jahr. Dazu kommt der kalkulatorische Unternehmerlohn von 30.000 €. Fixkosten zusammen: 35.000 €.

Bei 5.000 Packungen: 4+35.000/5.000=4+7=11 €
Bei 7.000 Packungen: 4+35.000/7.000=4+5=9 €

Ergebnis: Bietet ein Feinkostladen 10 € pro Packung, macht Lena bei 5.000 Stück kalkulatorisch 1 € Verlust pro Packung, bei 7.000 Stück aber 1 € Gewinn. Mehr Menge rettet hier das Geschäft.

Fixkostendegression: Je größer die Menge, desto mehr Stück teilen sich die gleichen Fixkosten, die Fixkosten pro Stück sinken. Dadurch sinken auch die Selbstkosten pro Stück. Zusätzlich kann eine Lernkurve helfen: Mit Übung wird man schneller und schafft mehr Stück in derselben Zeit.

Prüfungsfalle: Bei Fixkostendegression sinken die Fixkosten pro Stück, nicht die Fixkosten insgesamt. Die variablen Stückkosten bleiben gleich, die gesamten variablen Kosten steigen mit der Menge.
Prüfungsfalle: „Wenn ich pro Stück Verlust mache, mache ich mit mehr Stück nur mehr Verlust" stimmt nicht immer. Weil die Selbstkosten mit der Menge sinken, kann eine größere Menge den Verlust in einen Gewinn verwandeln.

VertiefungWie fix ist der kalkulatorische Unternehmerlohn?

Ob man den kalkulatorischen Unternehmerlohn als fix oder variabel ansetzt, ist Ermessenssache. Produziert Lena mehr, arbeitet sie vermutlich mehr Stunden, man könnte also einen höheren Lohn ansetzen. Man kann aber auch argumentieren: Als Angestellte hätte sie ein Fixgehalt und müsste gelegentlich unbezahlte Überstunden machen.

Entscheidend ist immer die Frage: Was wäre die vergleichbare Alternative? Da es im internen Rechnungswesen keine gesetzlichen Regeln gibt, besteht hier Spielraum.

Deckungsbeitrag

Stückdeckungsbeitrag: Preis minus variable Stückkosten. Er ist das, was man pro verkauftem Stück verdient, wenn man die Fixkosten außer Acht lässt. Er „deckt" zuerst die Fixkosten, danach entsteht Gewinn.

FormelDeckungsbeitrag und Gewinn
G=(p−kv)⋅x−Kf=DB−Kf

In Worten: Der Gewinn ist der gesamte Deckungsbeitrag aller verkauften Stück minus die Fixkosten.

p = Verkaufspreis pro Stückp−kv = Stückdeckungsbeitrag dbDB = Gesamtdeckungsbeitrag =db⋅xG = Gewinn
Beispiel ansehen

Lena hat inzwischen eine Aushilfe für die Verwaltung (7.000 € im Jahr). Ihre Fixkosten: Röstmaschine 5.000 € + Aushilfe 7.000 € + kalkulatorischer Unternehmerlohn 30.000 € = 42.000 €. Preis 10 €, variable Kosten 4 €, also db=6 €. Bei 7.500 verkauften Packungen:

G=6⋅7.500−42.000=45.000−42.000=3.000 €

Ergebnis: 3.000 € kalkulatorischer Gewinn.

Prüfungsfalle: Fixkosten beeinflussen den Stückdeckungsbeitrag nicht. Er hängt nur von Preis und variablen Stückkosten ab.

Break-even-Point

Break-even-Point (Gewinnschwelle): die Verkaufsmenge, bei der der Gesamtdeckungsbeitrag gerade alle Fixkosten deckt. Darüber macht man Gewinn, darunter Verlust.

FormelBreak-even-Menge
xBE=Kfp−kv

In Worten: Teile die Fixkosten durch den Deckungsbeitrag pro Stück. So oft musst du den Deckungsbeitrag verdienen, bis die Fixkosten hereingeholt sind.

xBE = Break-even-MengeKf = Fixkostenp−kv = Stückdeckungsbeitrag
Beispiel ansehen

Herleitung: Umsatz =p⋅x, Kosten =Kf+kv⋅x. Am Break-even sind beide gleich:

1p⋅x=Kf+kv⋅x
2(p−kv)⋅x=Kf
3x=Kf/(p−kv)

Rösterei: 42.000/6=7.000 Packungen.

Ergebnis: Ab 7.000 Packungen ist Lena (inklusive kalkulatorischem Lohn) in der Gewinnzone. Kommt eine Kommazahl heraus, rundest du auf, denn ein halbes Stück kann man nicht verkaufen.

Grafisch: Die Umsatzgerade startet im Nullpunkt und steigt mit dem Preis. Die Kostengerade startet bei der Höhe der Fixkosten und steigt mit den variablen Stückkosten. Wo sich die beiden schneiden, liegt der Break-even-Point.

Was ändert sich?Wirkung auf den DeckungsbeitragWirkung auf den Break-even-Point
Fixkosten steigenkeinesteigt
variable Stückkosten steigensinktsteigt
Preis steigtsteigtsinkt

Prüfungsfalle: Der Break-even-Point ist Fixkosten durch Deckungsbeitrag pro Stück, nicht Fixkosten durch variable Stückkosten.
Prüfungsfalle: Werden Fixkosten (etwa eine Abschreibung) „pro Stück" angegeben, weil man sie auf eine geplante Menge umgelegt hat, bleiben es Fixkosten. Rechne sie erst auf die Gesamtsumme zurück, bevor du den Deckungsbeitrag bildest.

Rechenbeispiel Break-even in Stufen

Gleiche Zahlen wie oben (db=6 €). Lena rechnet stufenweise, welche Fixkosten bei welcher Menge gedeckt sind:

1Nur die Röstmaschine (5.000 €): 5.000/6=833,3, also 834 Packungen
2Plus Aushilfe (12.000 €): 12.000/6= 2.000 Packungen
3Plus kalkulatorischer Unternehmerlohn (42.000 €): 42.000/6= 7.000 Packungen

Ergebnis: Die wirklich unvermeidbaren Fixkosten sind schnell gedeckt, das Risiko ist klein. Ab 2.000 Packungen ist der Gewinn laut GuV positiv, ab 7.000 ist auch Lenas eigene Arbeit voll „bezahlt". Bei genau 7.000 Packungen ist der Gewinn laut GuV 42.000−12.000=30.000 €, also genau ihr kalkulatorischer Lohn.

VertiefungWie Änderungen den Break-even verschieben

Ausgangslage Rösterei: Fixkosten 42.000 €, Preis 10 €, variable Kosten 4 €, Break-even 7.000.

Preis 11 €: db=7, Break-even 42.000/7=6.000
Variable Kosten 5 €: db=5, Break-even 42.000/5=8.400
Fixkosten +6.000 €: Break-even 48.000/6=8.000

Merke: Am Break-even sind die Selbstkosten pro Stück genau gleich dem Preis (hier 4+42.000/7.000=10).

Vollkosten- und Teilkostenrechnung

Vollkostenrechnung: alle angefallenen Kosten werden auf die Kostenträger verrechnet, also auch alle Gemeinkosten (über Schlüssel).

Teilkostenrechnung: nur ein Teil der Kosten wird berücksichtigt, z. B. nur die variablen Kosten oder nur die Einzelkosten.

Weil Fixkosten kurzfristig nicht abbaubar sind, nimmt man für kurzfristige Entscheidungen oft nur die variablen Kosten als Grundlage. Ist ein Betrieb nicht ausgelastet, lohnt sich ein Zusatzauftrag, sobald der Preis über den variablen Stückkosten liegt. Die Fixkosten fallen sowieso an, so wird wenigstens ein Teil davon hereingeholt.

Rechenbeispiel Zusatzauftrag in der Rösterei

Die Rösterei verkauft normal 7.000 Packungen zu 10 €. Ihre Selbstkosten (Vollkosten) liegen bei 10 € pro Packung, davon 4 € variabel. Sie hat freie Kapazität. Ein Hotel bietet 6 € pro Packung für 1.000 Packungen.

1Vollkostensicht: 6<10, scheinbar ein Verlustgeschäft
2Teilkostensicht: Deckungsbeitrag 6−4=2 € pro Packung
3Zusätzlicher Deckungsbeitrag: 1.000⋅2=2.000 €

Ergebnis: Kurzfristig annehmen, denn die Fixkosten ändern sich durch den Auftrag nicht. Voraussetzung: freie Kapazität und keine Auswirkungen auf die normalen Preise (Stammkunden dürfen nicht auf den Billigpreis pochen).

Prüfungsfalle: „Ein Auftrag unter den Selbstkosten ist immer abzulehnen" ist falsch. Kurzfristig und bei freier Kapazität entscheidet der Deckungsbeitrag, also Preis minus variable Stückkosten.

VertiefungVom Kalkül in den Jahresabschluss

Im Jahresabschluss dürfen nur pagatorische Kosten auftauchen. Angenommen, Lena produziert 10.000 Packungen, verkauft 8.000 zu 10 € und legt 2.000 auf Lager. Material 4 € pro Stück, Abschreibung 5.000 €, Aushilfe 7.000 €.

Bewertung des Lagers: Unverkaufte Produkte werden mit ihren Herstellungskosten bewertet, ohne kalkulatorischen Unternehmerlohn: 4+5.000/10.000=4,50 € pro Stück.

Umsatzkostenverfahren (zählt nur die verkauften Stück):

Umsatz 80.000 − Herstellungskosten der verkauften Stück 8.000⋅4,50=36.000 − Verwaltung 7.000 = 37.000 €

Gesamtkostenverfahren (zählt alle produzierten Stück):

Umsatz 80.000 + Bestandserhöhung 2.000⋅4,50=9.000 − Material 40.000 − Personal 7.000 − Abschreibung 5.000 = 37.000 €

Beide Verfahren führen zum selben Jahresüberschuss. Beim Gesamtkostenverfahren wird die Bestandserhöhung als Ertrag angesetzt und genau ihre Herstellungskosten stecken zusätzlich im Aufwand. Auf die Bilanz hat die Wahl keinen Einfluss, die fertigen Erzeugnisse stehen dort ohnehin als Vermögen.

4 Controlling: Entscheidungen unterstützen und Verhalten steuern ★★

Das interne Rechnungswesen liefert nicht nur Zahlen für Entscheidungen. Es soll auch beeinflussen, wie sich Menschen im Unternehmen verhalten.

Begriffe

Controlling (von to control = steuern), auch Management Control: Steuerung des Unternehmens mithilfe von Informationen aus dem internen Rechnungswesen. Management Accounting kann sowohl das interne Rechnungswesen selbst als auch diese Steuerung meinen.

Zum Vergleich: Das externe Rechnungswesen soll vor allem die Stakeholder (besonders Eigen- und Fremdkapitalgeber) über Finanz-, Ertrags- und Vermögenslage informieren.

Die zwei Funktionen des Controllings

FunktionWorum es gehtSicht der BWL
Entscheidungsunterstützung (Decision Facilitating Role)Führungskräfte bekommen Infos, um die beste Handlungsalternative zu wählenentscheidungsorientierte BWL
Verhaltenssteuerung (Behavior Influencing Role)Verhalten der Menschen wird auf die Unternehmensziele ausgerichtetverhaltensorientierte BWL

Warum braucht es Verhaltenssteuerung? Menschen im Unternehmen

wissen nicht immer genau, was von ihnen erwartet wird,
haben nicht immer alle Fähigkeiten und Ressourcen,
sind nicht immer motiviert, im Sinne des Unternehmens zu handeln, sondern verfolgen manchmal eigene Interessen.

Prüfungsfalle: Die Entscheidungsunterstützung gehört zur entscheidungsorientierten, die Verhaltenssteuerung zur verhaltensorientierten Sicht. Die Zuordnung wird gern vertauscht.

Budgetierung

Budgetierung: gemeinsame Planung (meist mindestens jährlich), welche Ziele ein Bereich in der nächsten Periode mit welchen Ressourcen (Personal, Geld) erreichen soll, wie man vorgeht und wie die Teilbudgets aufeinander abgestimmt werden.

Sie verbindet beide Funktionen: Alle wissen, was erwartet wird, bekommen die nötigen Mittel, sind idealerweise motiviert, und die Bereiche werden koordiniert. Grundlage sind z. B. die Kosten der Vorperiode aus der Kostenstellenrechnung.

Probleme durch strategisches Verhalten:

Bereiche verhandeln Ziele nach unten, um einen Puffer zu haben.
Manche Führungskräfte stellen Projekte zu optimistisch dar, um mehr Budget, Personal und Büros zu bekommen.
Die Zentrale rechnet damit, drückt Budgets nach unten und schraubt Ziele hoch.
Target Ratcheting: Wer in der Vorperiode sparsam oder sehr erfolgreich war, bekommt nächstes Mal weniger Budget oder höhere Ziele. Das bestraft gute Leistung.
Fortschreibung des Vorjahresbudgets aus Bequemlichkeit macht das Unternehmen unflexibel und bremst Innovation.

Einfach erklärt: Die Filiale eines Fahrradverleihs übertrifft heuer ihr Umsatzziel um 30 %. Nächstes Jahr wird das Ziel um 30 % angehoben. Die Filialleiterin lernt daraus: Lieber nur knapp übertreffen.

VertiefungZiele, Anreize und Psychologie

Die Controlling-Forschung untersucht, wie man Ziele setzt und mit Anreizen (z. B. Belohnung bei Zielerreichung) verbindet. Eine Kernfrage: Team- oder Einzelziele?

Teamziele und Teamanreize stärken die Zusammenarbeit.
Sie können aber Frust erzeugen, wenn einzelne als Free Rider (Trittbrettfahrer) mitnaschen, ohne angemessen beizutragen.

Obwohl Controlling viel mit Zahlen zu tun hat, spielt Psychologie eine große Rolle. Wer typische Verhaltensmuster versteht, kann Fehlanreizen besser gegensteuern.

Kennzahlensysteme

Steht z. B. der ROI bei 5 % und soll steigen, zerlegt man ihn in die Größen, die dahinterstehen. Die nötigen Daten (fixe und variable Kosten, Preise, Mengen) liefert das interne Rechnungswesen.

FormelReturn on Investment
ROI=Erfolginvestiertes Kapital

In Worten: Der ROI zeigt, wie viel Erfolg pro eingesetztem Euro Kapital erwirtschaftet wird.

Erfolg = Umsatz (Preis mal Menge) minus Kosten (variabel und fix)investiertes Kapital = Anlagevermögen (Sachanlagen, immaterielle Werte) plus Umlaufvermögen (Rohstoffe …)

Ein Kennzahlensystem ist ein Baum: oben der ROI, darunter Erfolg und investiertes Kapital, darunter Umsatz (Preis, Menge) und Kosten (variabel, fix) bzw. Anlage- und Umlaufvermögen. So sieht man die Steuerungshebel: höherer Preis, mehr Menge, niedrigere Kosten, weniger gebundenes Kapital.

5 Investitionsrechnung: Diskontieren und Kapitalwert ★★★

Ein Euro heute ist mehr wert als ein Euro in fünf Jahren. Darum darf man Zahlungen aus verschiedenen Jahren nicht einfach addieren, sondern muss sie auf einen gemeinsamen Zeitpunkt umrechnen.

Was eine Investition ist

Investitionsentscheidung: Entscheidung über eine Transaktion, die mit einer Auszahlung beginnt, auf die Einzahlungen folgen. Man zahlt jetzt in der Hoffnung auf möglichst hohe Rückflüsse.

Beispiele: Aktien oder eine Wohnung kaufen (privat), eine Maschine oder ein Gebäude kaufen, um damit Produkte herzustellen und zu verkaufen (Unternehmen).

Von Perioden zu Zeitpunkten

Die Cashflow-Rechnung erfasst Zahlungen pro Jahr. Für die Investitionsrechnung ordnet man sie Zeitpunkten zu:

t = 0 ist der Start („Time Zero"), dort steht die Anfangsinvestition.
Laufende Rückflüsse kommen nach und nach im Jahr herein und werden üblicherweise dem Jahresende zugerechnet (t = 1, t = 2 …).
Faustregel „sicherheitshalber": Auszahlungen an den Jahresanfang, Einzahlungen ans Jahresende.
Ein Verkaufserlös (Liquidationswert) am Ende kommt zum letzten Rückfluss dazu.

Aufzinsen und Abzinsen

Liegt die beste Alternative bei 4 % Zinsen, werden aus 1.000 € heute 1.040 € in einem Jahr und 1.000⋅1,042=1.081,60 € in zwei Jahren (Aufzinsen). Umgekehrt ist ein Betrag in der Zukunft heute weniger wert (Abzinsen, Diskontieren).

FormelBarwert (Diskontieren)
BW=x(1+r)n

In Worten: Ein Betrag, der erst in n Jahren fließt, ist heute so viel wert, wie man heute anlegen müsste, um in n Jahren genau diesen Betrag zu haben.

BW = Barwert (Gegenwartswert) in t = 0x = Zahlung im Zeitpunkt t = nr = Diskontierungszinssatz (als Dezimalzahl, 4 % = 0,04)n = Anzahl der Jahre
Beispiel ansehen

1.000 €, die du in 3 Jahren bekommst, bei r=4 %:

BW=1.000/1,043=1.000/1,124864≈889 €

Ergebnis: Die 1.000 € in drei Jahren sind heute rund 889 € wert. Legst du 889 € zu 4 % an, hast du nach drei Jahren 1.000 €.

Der Kapitalwert (NPV)

Kapitalwert (Net Present Value, NPV): Summe aller auf t = 0 abgezinsten Zahlungen einer Investition, einschließlich der Anfangsinvestition. „Net" heißt: nach Abzug der Investition.

Discounted Cashflow (DCF): der Barwert der künftigen Rückflüsse (ohne die Anfangsinvestition). Es gilt: NPV = DCF − I. In der Praxis werden NPV, Kapitalwert und DCF aber oft gleichbedeutend verwendet.

FormelKapitalwert
NPV=−I+CF11+r+CF2(1+r)2+⋯+CFT(1+r)T

In Worten: Zinse alle künftigen Rückflüsse auf heute ab, zähle sie zusammen und ziehe die Anfangsinvestition ab.

I = Anfangsinvestition in t = 0CFt = Rückfluss (Cashflow) im Zeitpunkt tr = DiskontierungszinssatzT = Anzahl der Perioden mit Rückflüssen
Beispiel ansehen

Ein Lastenrad-Verleih kauft Räder um 12.000 €. Erwartete Rückflüsse: 4.400 € (t = 1), 4.840 € (t = 2), 5.324 € plus 1.331 € Verkaufserlös, also 6.655 € (t = 3). Zinssatz 10 %.

14.400/1,1=4.000
24.840/1,21=4.000
36.655/1,331=5.000
4DCF =13.000, NPV=13.000−12.000=1.000

Ergebnis: NPV = +1.000 €. Die Investition schafft aus heutiger Sicht 1.000 € mehr Wert als die Alternative zu 10 % und ist vorteilhaft.

Entscheidungsregel: NPV>0: Investition ist vorteilhaft. NPV<0: Die abgezinsten Rückflüsse sind kleiner als die Investition, sie lohnt sich nicht.

Prüfungsfalle: Zahlungen aus verschiedenen Jahren einfach zu addieren ist falsch. Erst abzinsen, dann addieren.
Prüfungsfalle: Bei einer „normalen" Investition (erst Auszahlung, dann nur positive Rückflüsse) gilt: je höher der Zinssatz, desto kleiner der Kapitalwert. Ein höherer Zinssatz macht Investitionen also unattraktiver.

Der Diskontierungszinssatz ist subjektiv

Für den Kapitalwert braucht man zwei Dinge: die Zahlungsreihe und den Diskontierungszinssatz. Beide sind meist nicht einfach gegeben.

Diskontierungszinssatz: entspricht den Opportunitätskosten der Person, die investiert, also der Rendite ihrer nächstbesten Alternative mit ähnlichem Risiko.

Wer Geld übrig hat, nimmt den Anlagezins (z. B. 4 % in einem Fonds mit ähnlichem Risiko).
Wer für die Investition einen Kredit braucht oder ohnehin im Minus ist, nimmt den Kreditzins (z. B. 9 % Überziehungszins).
Eine riskante Investition darf man eigentlich nicht mit einem „sicheren" Zins abzinsen. Für einen risikoangepassten Zinssatz gibt es Verfahren wie das Capital Asset Pricing Model (CAPM).

Deshalb kann dieselbe Investition für zwei Personen unterschiedlich gut sein.

VertiefungWie sicher sind die Cashflows?

Die Zahlungsreihe ist eine Prognose. Man unterscheidet:

Sicher und objektiv: Sparbuch bei einer seriösen Bank. Zinsen und Rückzahlung stehen fest (meist nicht viel).
Unsicher, aber objektiv: Lotto. Das Ergebnis ist ungewiss, die Wahrscheinlichkeiten kennt aber jeder gleich.
Unsicher und subjektiv: Mietwohnung. Kaufpreis und laufende Miete kennt man, aber über den späteren Verkaufspreis kann man mit guten Gründen verschiedener Meinung sein. Ein vergangener Preistrend kann jederzeit kippen.

Die meisten Prognosen im Unternehmen sind subjektiv. Zusammen mit dem subjektiven Zinssatz ist der Kapitalwert also ein Wert aus Sicht einer bestimmten Person.

VertiefungWas alles im Kapitalwert steckt

Arbeitet die Eigentümerin selbst im Betrieb mit, enthalten die Rückflüsse auch den Wert ihrer Arbeit. Der Kapitalwert ist dann der Wert des Unternehmens inklusive ihrer Arbeitskraft.

Will sie den Betrieb als reines Investitionsobjekt sehen und stellt jemanden ein, muss sie jedes Jahr das Gehalt abziehen. Dann kann ein vorher klar positiver Kapitalwert negativ werden. Mit einem Break-even-Kalkül lässt sich ausrechnen, welches Gehalt sie höchstens zahlen kann.

Geschäftsmodelle wie Uber profitieren davon: Fahrende bringen ihr eigenes Auto mit. Für die Plattform entfällt die große Anfangsinvestition, die Zahlungsreihe sieht viel attraktiver aus.

6 Interner Zinsfuß und Effektivzins ★★★

Statt zu fragen „Wie viel Wert schafft die Investition?" kann man fragen „Welche Rendite bringt sie pro Jahr?". Die Antwort ist der interne Zinsfuß. Bei Krediten heißt er Effektivzins.

Interner Zinsfuß (IRR)

Interner Zinsfuß (interner Zins, Internal Rate of Return, IRR): jener Zinssatz r, bei dem der Kapitalwert genau null ist. Er gibt die durchschnittliche jährliche Rendite einer Investition über mehrere Perioden an.

FormelInterner Zinsfuß
−I+CF11+r+CF2(1+r)2+⋯+CFT(1+r)T=0

In Worten: Suche den Zinssatz, bei dem die abgezinsten Rückflüsse genau so groß sind wie die Anfangsinvestition.

r = gesuchter interner ZinsfußI = AnfangsinvestitionCFt = Rückfluss im Zeitpunkt t
Beispiel ansehen

Zwei Perioden: Investition 20.000 €, Rückflüsse 11.000 € (t = 1) und 12.100 € (t = 2).

Probe mit r=10 %: 11.000/1,1+12.100/1,21=10.000+10.000=20.000, also NPV = 0
Mit 8 % wäre der NPV positiv (rund +559 €), mit 12 % negativ (rund −533 €).

Ergebnis: Der interne Zinsfuß ist 10 %.

Sonderfall: eine Periode

Bei nur einer Periode ist der interne Zinsfuß einfach die gewohnte Einperioden-Rendite:

FormelEinperioden-Rendite
−I+CF11+r=0  ⇔  r=CF1−II

In Worten: Wie viel habe ich dazuverdient, bezogen auf den eingesetzten Betrag?

I = eingesetzter BetragCF1 = Rückfluss nach einem Jahr
Beispiel ansehen

Du investierst 500 € und bekommst nach einem Jahr 540 € zurück.

r=(540−500)/500=40/500=0,08

Ergebnis: 8 % Rendite. Der mehrperiodige interne Zinsfuß ist die Verallgemeinerung dieser Rechnung.

Wie man den internen Zinsfuß findet

Bei zwei Perioden entsteht nach Multiplikation mit (1+r)2 eine quadratische Gleichung, lösbar mit der „Mitternachtsformel". Ab drei Perioden wird die Formel sehr kompliziert, ab fünf Perioden (Polynom 5. Grades) gibt es keine Lösung mit Wurzelausdrücken mehr. Dann tastet man sich iterativ heran (verfeinert: Newton-Verfahren, leicht zu programmieren).

Rechenbeispiel Herantasten beim Lastenrad-Verleih

Zahlungsreihe: −12.000, 4.400, 4.840, 6.655. Bei 10 % war der NPV +1.000 €.

1r=12 %: NPV ≈ +524, also noch positiv, Zins höher probieren
2r=15 %: NPV ≈ −138, jetzt negativ, die Lösung liegt zwischen 12 % und 15 %
3r=14 %: NPV ≈ +76
4r=14,5 %: NPV ≈ −32

Ergebnis: Der interne Zinsfuß liegt zwischen 14 % und 14,5 % (genauer: rund 14,35 %).

Entscheidungsregeln

Eindeutigkeit: Ein eindeutiger interner Zinsfuß existiert, wenn die Zahlungsreihe nur einmal das Vorzeichen wechselt (erst minus, dann nur plus). Bei mehreren Vorzeichenwechseln kann es mehrere Lösungen geben.
Zusammenhang mit dem NPV: Bei eindeutigem internem Zinsfuß gilt: Kapitalwert > 0 genau dann, wenn interner Zinsfuß > Diskontierungszinssatz.
Vergleich: Von zwei Investitionen mit eindeutigem internem Zinsfuß ist die mit dem höheren internen Zinsfuß vorteilhafter.

Prüfungsfalle: Kapitalwert und interner Zinsfuß hängen zusammen. Ist der NPV bei 6 % positiv, liegt der interne Zinsfuß über 6 %, nicht darunter.

Effektivzins einer Finanzierung

Eine Finanzierung ist das Spiegelbild einer Investition: Zuerst fließt Geld herein (Kreditbetrag F), danach folgen Zins- und Tilgungszahlungen Zt.

FormelEffektivzins
F−Z11+r−Z2(1+r)2−⋯−ZT(1+r)T=0

In Worten: Der Effektivzins ist der interne Zinsfuß eines Kredits: der Zinssatz, bei dem der heutige Wert aller Rückzahlungen genau dem erhaltenen Betrag entspricht.

F = ausbezahlter Kreditbetrag in t = 0Zt = Zins- und Tilgungszahlung im Zeitpunkt tr = Effektivzins
Beispiel ansehen

Kredit über 50.000 € für 3 Jahre, jährlich 2.000 € Zinsen, Rückzahlung am Ende. Zahlungsreihe: (50.000; −2.000; −2.000; −52.000). Effektivzins: 4 %.

Verlangt die Bank aber 1.000 € Bearbeitungsgebühr und zahlt nur 49.000 € aus, lautet die Reihe (49.000; −2.000; −2.000; −52.000). Der Effektivzins steigt auf rund 4,73 %.

Einjährig: Du bekommst 10.000 € und zahlst nach einem Jahr 10.600 € zurück: 10.000−10.600/(1+r)=0, also r=6 %.

Ergebnis: Der Effektivzins macht unterschiedlich gestaltete Kreditangebote vergleichbar.

Der Effektivzins ist eindeutig, wenn nach der Einzahlung nur noch Auszahlungen folgen. Von zwei Finanzierungen über gleiche Zeiträume ist jene mit dem geringeren Effektivzins günstiger.

Prüfungsfalle: Der günstigste Kredit ist nicht automatisch jener mit dem niedrigsten Nominalzins. Gebühren und andere Konditionen stecken im Effektivzins, und nur der ist für den Vergleich entscheidend.

VertiefungBilliges Geld, teure Fixzahlungen

Eine Investition mit erwarteten 5 % Rendite über einen Kredit zu 4 % zu finanzieren, sieht auf dem Papier nach Gewinn aus. Der Haken: Die Rückflüsse der Investition sind nur geschätzt, die Zinsen und die Tilgung aber fix. Läuft das Geschäft schlechter, müssen trotzdem Zinsen, Tilgung und vielleicht Gehälter gezahlt werden. Im schlimmsten Fall droht der Konkurs.

Alternativen sind Eigenkapital (neue Teilhaber bekommen nur dann etwas, wenn Gewinn da ist, dafür wollen sie einen Teil davon) oder Innenfinanzierung (Gewinne einige Jahre ansparen).

7 Finanzierung: Innen und außen, Eigen und fremd ★★★

Woher kommt das Geld für Investitionen? Die Finanzierungsformen werden nach zwei Fragen geordnet: Kommt das Geld aus dem Unternehmen selbst oder von außen? Und ist es Eigen- oder Fremdkapital?

Was Finanzierung ist

Finanzierungsentscheidung: Entscheidung über die Bereitstellung von betriebsnotwendigem Kapital (vor allem für Investitionen). Mit Geld (Finanzkapital) beginnt sie mit einer Einzahlung, auf die in der Regel Auszahlungen folgen. Ihre Analyse ist Gegenstand der Finanzierungstheorie.

Möglich, aber selten: Finanzierung mit Realkapital (Grundstücke, Gebäude, Maschinen, Patente).
Geld kann man auch durch den Verkauf von Vermögensgegenständen beschaffen.
Die alltäglichste Form ist der Kredit: zuerst Geld bekommen, dann Zinsen zahlen, am Ende tilgen (zurückzahlen).
Unternehmen beschaffen Geld meist, um es zu investieren: Investition und Finanzierung hängen eng zusammen.

Innen- und Außenfinanzierung

Innenfinanzierung: Das Kapital stammt aus dem Unternehmensprozess, also aus dem operativen Cashflow (Umsätze minus laufende Auszahlungen) oder aus dem Verkauf eigener Vermögensgegenstände (Cashflow aus Investitionstätigkeit). Der Free Cashflow zeigt das Volumen der Innenfinanzierung.

Außenfinanzierung: Das Kapital kommt von außen. Dafür braucht es immer einen Finanzierungskontrakt (Vertrag), der regelt, wie viel zufließt, ob und wie zurückgezahlt wird und welches Entgelt (z. B. Zinsen) fällig ist.

Selbstfinanzierung (Gewinnthesaurierung): Gewinne werden nicht ausgeschüttet bzw. entnommen, sondern bleiben im Unternehmen.

InnenfinanzierungAußenfinanzierung
EigenfinanzierungSelbstfinanzierung (Gewinnthesaurierung), Verkauf nicht benötigter VermögensgegenständeBeteiligungsfinanzierung (neue oder bisherige Eigentümer zahlen ein)
FremdfinanzierungFinanzierung aus RückstellungenKreditfinanzierung, Lieferantenkredit, Kundenanzahlungen

Einfach erklärt: Der Fahrradverleih will zehn neue E-Bikes. Er kann zwei Jahre lang Gewinne ansparen (innen, eigen), eine Freundin als Teilhaberin aufnehmen (außen, eigen) oder einen Bankkredit nehmen (außen, fremd).

Prüfungsfalle: Außenfinanzierung kann Eigen- oder Fremdkapital sein. Neues Eigenkapital von Gesellschaftern ist Außenfinanzierung, nicht Innenfinanzierung, obwohl es Eigenkapital ist.
Prüfungsfalle: Rückstellungen sind Fremdkapital, die Finanzierung aus Rückstellungen ist trotzdem Innenfinanzierung: Das Geld bleibt bis zur späteren Zahlung im Unternehmen.

Vor- und Nachteile der Innenfinanzierung: Über diese Mittel kann das Unternehmen am unabhängigsten entscheiden. Es gibt kein Kreditrisiko und keine neuen Miteigentümer, die mitreden. Nachteil: Die Gewinne können nicht verbraucht werden, und es dauert, bis genug angespart ist.

Eigenkapital oder Fremdkapital?

MerkmalEigenkapitalFremdkapital
VergütungAnteil am Gewinn, abhängig vom Erfolgvertraglich fixe Zinsen
Rang im Konkursnachrangig: bekommt nur, was übrig bleibtvorrangig
Risikoträgt das gesamte Geschäftsrisikoverliert nur im Konkursfall
Mitspracheumfangreiche Entscheidungsrechteabgesichert über Verträge und Sicherheiten
Laufzeitimmer langfristigkurz- oder langfristig

Eigenkapitalgeber treffen die Entscheidungen entweder selbst als Geschäftsführung oder indirekt, indem sie eine Geschäftsführung einsetzen. Neue Eigenkapitalgeber wollen meist mitreden, das verringert die Rechte der bisherigen. Bei Krediten wollen Banken wissen, wofür das Geld verwendet wird, und knüpfen die Vergabe oft an Bedingungen und Sicherheiten.

Eigenkapital beschaffen hängt stark von der Rechtsform ab: Bei einer OHG braucht ein neuer Gesellschafter eine Änderung des Gesellschaftsvertrags. In einer Aktiengesellschaft ist es einfacher: Auf Beschluss der bisherigen Aktionäre werden neue Aktien gegen Geld ausgegeben.

Prüfungsfalle: „Eigenkapitalgeber bekommen ihr Geld im Konkurs zuerst zurück" ist falsch. Zuerst werden die Fremdkapitalgeber (und z. B. Löhne, Steuerschulden) bedient, das Eigenkapital haftet zuerst.

Formen der Fremdfinanzierung

Langfristig:

Kredit (Darlehen) bei einer Bank, geregelt im Kreditvertrag: Betrag, Zeitpunkt und Höhe von Zins und Tilgung, oft Sicherheiten (z. B. Pfandrecht im Grundbuch), Informationspflichten, Rücksprache vor weiteren Krediten, Beschränkung von Entnahmen.
Anleihe (Bond): Das Unternehmen verschuldet sich direkt bei Anlegern und umgeht die Bank als Vermittler. Weil die Bonitätsprüfung der Bank wegfällt, gelten Emissionsvoraussetzungen, daher meist nur für große Kapitalgesellschaften.
Wandelanleihe (Convertible Bond): fixe Zinsen plus das Recht, sie teilweise in Aktien des Unternehmens umzutauschen.

Kurzfristig:

kurzfristige Bankkredite
Kundenanzahlungen (typisch bei Großprojekten wie Schiff- oder Anlagenbau)
Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen (Lieferantenkredit: Ware erhalten, noch nicht bezahlt)

Kapitalmarkt: Aktien werden am Aktienmarkt (Stock Market) gehandelt, Anleihen am Rentenmarkt (Anleihenmarkt, Bond Market), dort auch Staatsanleihen. Aktienmarkt + Rentenmarkt = Kapitalmarkt.

Anleihen zahlen feste jährliche Zinsen (Kupons), daher „Fixed Income". Risikolos sind sie trotzdem nicht: Der Schuldner kann zahlungsunfähig werden. Je schlechter die Bonität, desto höher in der Regel die (Effektiv-)Verzinsung.

Prüfungsfalle: „Fixed Income" heißt nur, dass die Zinszahlungen vereinbart sind, nicht, dass die Anleihe sicher ist. Das Ausfallsrisiko bleibt.

Finanzierung in den Rechenwerken

Cashflow-Rechnung: Der Free Cashflow ist die Quelle der Innenfinanzierung, der Cashflow aus Finanzierungstätigkeit zeigt die Außenfinanzierung (Eigen- und Fremdfinanzierung).
Bilanz: Die Aktivseite zeigt, welches Vermögen da ist (Mittelverwendung), die Passivseite, wie es finanziert wurde (Mittelherkunft).
VertiefungGliederung der Bilanz nach UGB/HGB

Aktiva

A. Anlagevermögen: I. Immaterielle Vermögensgegenstände (Patente), II. Sachanlagen (Grundstücke, Gebäude, Maschinen), III. Finanzanlagen (Beteiligungen, Wertpapiere)
B. Umlaufvermögen: I. Vorräte (Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe, unfertige und fertige Erzeugnisse, Waren), II. Forderungen (v. a. aus Lieferungen und Leistungen), III. Wertpapiere, IV. Kassenbestand, Bankguthaben
C. Aktive Rechnungsabgrenzungsposten

Passiva

A. Eigenkapital: I. Gezeichnetes Kapital (Nennkapital), II. Kapitalrücklage, III. Gewinnrücklagen, IV. Jahresüberschuss bzw. Bilanzgewinn
B. Rückstellungen (z. B. für Pensionen, Steuern)
C. Verbindlichkeiten (Anleihen, Bankverbindlichkeiten, erhaltene Anzahlungen, Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen)
D. Passive Rechnungsabgrenzungsposten

An der Passivseite siehst du die Finanzierungsformen wieder: Gewinnrücklagen stammen aus Selbstfinanzierung, Rückstellungen aus Innenfinanzierung mit Fremdkapital, Verbindlichkeiten aus Fremdfinanzierung.

8 Leverage-Effekt und optimaler Verschuldungsgrad ★★★

Schulden können die Rendite der Eigentümer nach oben hebeln, aber genauso das Risiko. Dieser Abschnitt erklärt den Hebel und warum es trotzdem eine Grenze für sinnvolle Verschuldung gibt.

Optimaler Verschuldungsgrad

Verschuldungsgrad: Verhältnis von Fremdkapital zu Eigenkapital. Gesucht ist das ideale Verhältnis.

Kapitalkosten:

Fremdkapitalkosten: der durchschnittliche (Effektiv-)Zins aller Fremdkapitalposten. Das sind pagatorische Kosten.
Eigenkapitalkosten: Für Eigenkapital gibt es keinen festen Zins. Die Kosten sind die Rendite, die Eigenkapitalgeber angesichts des Risikos erwarten. Modelle wie das CAPM schätzen sie. Das sind kalkulatorische Opportunitätskosten, keine pagatorischen Zinsen.

Die Frage lautet: Bei welchem Verschuldungsgrad sind die durchschnittlichen Kapitalkosten (Eigen- und Fremdkapital zusammen) minimal?

Eigenkapitalkosten sind üblicherweise höher als Fremdkapitalkosten (Eigenkapitalgeber tragen mehr Risiko).
Mehr Fremdkapital scheint also billiger, dazu kommt der Leverage-Effekt.
Aber: Mit sehr hoher Verschuldung steigen das Risiko und auch die Fremdkapitalkosten.

Prüfungsfalle: Eigenkapital ist nicht „gratis", nur weil keine Zinsen überwiesen werden. Seine Kosten sind Opportunitätskosten und meist höher als die Fremdkapitalzinsen.

Der Leverage-Effekt

Leverage-Effekt (Hebeleffekt): Durch zusätzliche Verschuldung steigt die Eigenkapitalrendite (ROE), solange der Fremdkapitalzins niedriger ist als die Gesamtkapitalrendite (ROI), mit der das Geld investiert wird. Gehebelt wird aber nicht nur die Rendite, sondern auch das Risiko.

FormelEigenkapitalrendite mit Fremdkapital
ROE=ROI⋅GK−i⋅FKEK

In Worten: Vom Ertrag des gesamten Kapitals werden die Fremdkapitalzinsen abgezogen. Was übrig bleibt, gehört den Eigentümern und wird auf ihr Eigenkapital bezogen.

ROE = Return on Equity, EigenkapitalrenditeROI = Return on Investment, Rendite des gesamten KapitalsGK = Gesamtkapital =EK+FKEK = EigenkapitalFK = Fremdkapitali = Fremdkapitalzinssatz
Beispiel ansehen

Eine Spedition investiert 1.000.000 € in neue Lkw. Sie bringen jährlich 60.000 € Gewinn vor Zinsen, also ROI = 6 %. Kreditzins 4 %.

Nur Eigenkapital: ROE = 60.000 / 1.000.000 = 6 %
500.000 EK + 500.000 FK: (60.000−20.000)/500.000= 8 %
200.000 EK + 800.000 FK: (60.000−32.000)/200.000= 14 %

Ergebnis: Je höher der Fremdkapitalanteil, desto höher die Eigenkapitalrendite, solange der ROI (6 %) über dem Zins (4 %) liegt. Der ROI selbst ändert sich durch die Finanzierung nicht.

Warum das funktioniert: Auf jeden geliehenen Euro verdient man 6 %, zahlt aber nur 4 %. Die Differenz von 2 % auf das Fremdkapital landet zusätzlich bei den Eigentümern.

Rechenbeispiel Der Hebel wirkt auch nach unten

Wie oben, aber eine Flaute drückt den Gewinn vor Zinsen auf 30.000 € (ROI = 3 %). Die Zinsen bleiben fix.

Nur Eigenkapital: ROE = 30.000 / 1.000.000 = +3 %
200.000 EK + 800.000 FK: (30.000−32.000)/200.000= −1 %

Ergebnis: Fällt der ROI unter den Fremdkapitalzins, senkt die Verschuldung die Eigenkapitalrendite. Sinkt zusätzlich der Wert der Lkw, kann die Bank Sicherheiten nachfordern oder das Geld zurückverlangen, und das gesamte Eigenkapital kann verloren gehen.

Prüfungsfalle: Die erwartete Rendite der Investition ist unsicher, die Zinszahlungen an die Bank sind sicher. „Mehr Schulden = mehr Rendite" stimmt nur, solange der ROI über dem Zins bleibt.

Warum man sich nicht unbegrenzt verschulden soll

Man könnte meinen: Solange der Zins unter der Rendite liegt, immer weiter verschulden. Das gilt nur in einer Welt ohne Risiko. In der Realität:

1Banken geben einem Schuldner mit wenig Eigenkapital und ohne Sicherheiten keinen so großen Kredit, oder nur zu einem viel höheren Zins. Dann lohnt sich der Hebel nicht mehr.
2Mit jeder zusätzlichen Verschuldung steigt das Risiko für die Eigenkapitalgeber stark an.
VertiefungDie Leverage-Formel umgeformt

Formt man die Formel um, sieht man den Hebel direkt:

ROE=ROI+(ROI−i)⋅FKEK

Im Beispiel mit 800.000 FK und 200.000 EK: 6 %+(6 %−4 %)⋅4=6 %+8 %=14 %.

Ist ROI>i, wirkt der Verschuldungsgrad FK/EK wie ein Verstärker nach oben.
Ist ROI<i, wird der Klammerausdruck negativ und der Verschuldungsgrad verstärkt den Absturz.

9 Unternehmensbewertung, Gewinn und Wertschöpfung ★★

Ein ganzes Unternehmen zu bewerten ist die Königsdisziplin der Finanzperspektive: Hier kommt Wissen aus Rechnungswesen, Investition und Finanzierung zusammen. Es gibt drei Ansätze, die meist zu ganz unterschiedlichen Werten führen.

Wert ist nicht Preis

Wird eine Maschine um 100.000 € gekauft, misst die Käuferin ihr mindestens 100.000 € Wert bei, der Verkäufer höchstens 100.000 €, sonst wäre der Kauf nicht zustande gekommen. Der Preis ist also nur eine grobe Näherung.

Der Wert ist subjektiv. In der BWL hängt er weniger vom Geschmack ab als von der künftigen Nutzung: Was kann ich damit erwirtschaften? Eine Spezialmaschine kann für einen Betrieb mit passendem Know-how viel mehr wert sein als ihr Kaufpreis und für alle anderen fast wertlos.

Drei Bewertungsansätze

1. Wert laut Bilanz (Buchwert): Summe der Aktiva (Bruttowert) minus Fremdkapital = Eigenkapital (Reinvermögen).

2. Discounted Cashflow: Barwert der künftig erwarteten Free Cashflows (Bruttowert), davon werden die Schulden abgezogen.

3. Marktkapitalisierung (nur bei börsennotierten Unternehmen): Aktienkurs × Anzahl der ausgegebenen Aktien.

AnsatzStärkenSchwächen
Bilanznachprüfbarvergangenheitsbezogen (Anschaffungskosten), Einzelbewertung, keine immateriellen Werte
Discounted Cashflowzukunftsbezogen, Gesamtbewertung (inkl. Synergien), mit immateriellen WertenPrognosen schwierig und leicht manipulierbar
Marktkapitalisierungzukunftsbezogen, Gesamtbewertung, mit immateriellen Werten, nachprüfbarschwankt stark, psychologische Effekte (Panik, Selbstüberschätzung)

Immaterielle Vermögenswerte: Know-how der Mitarbeitenden, Reputation, Markenwert, Kundenstamm. Die Bilanz erfasst sie kaum, der DCF schon (z. B. als zusätzliche Umsätze dank starker Marke).

Prüfungsfalle: Die Marktkapitalisierung rechnet mit dem Börsenkurs, nicht mit dem Nennwert der Aktien. Beispiel: 4 Mio. Aktien zu je 25 € ergeben 100 Mio. € Marktkapitalisierung.
Prüfungsfalle: Marktkapitalisierung und DCF sind nicht immer höher als der Buchwert. Liegt der Buchwert darüber, hat das Unternehmen investitionstheoretisch negative Kapitalwerte realisiert, z. B. weil seine Technologie veraltet ist und die Produkte nicht mehr gekauft werden.

VertiefungMehr zur Marktkapitalisierung

Im Aktienkurs fließen die Erwartungen aller Marktteilnehmer über künftige Überschüsse zusammen, er enthält also alle verfügbaren Informationen. Hält eine Analystin eine Aktie für unterbewertet, kauft sie, und der Kurs steigt.

Trotzdem ist die Marktkapitalisierung nur ein grober Anhaltspunkt:

Sie schwankt stark.
Man könnte das Unternehmen nicht zu diesem Wert kaufen: Wer nach und nach alle Aktien aufkauft, treibt den Kurs nach oben.

Gewinn als Steigerung des Unternehmenswerts

Gewinn: die Steigerung des Unternehmenswerts in einer Periode. Je nach Bewertungsansatz:

Bilanz: Anstieg des Eigenkapitals, also der Bilanzgewinn
DCF: Anstieg des Barwerts der künftigen Cashflows
Kapitalmarkt: Anstieg der Marktkapitalisierung plus ausgeschüttete Dividenden

Weil schon der Unternehmenswert subjektiv ist, ist auch der Gewinn eine subjektive Größe, die man unterschiedlich messen kann.

Wem steht der Gewinn zu?

Oft ist die Unternehmerin zugleich Eigentümerin. Werden die Rollen getrennt (eine Freundin bringt das Eigenkapital, die Gründerin führt das Geschäft), sieht man klar:

Eigenkapital trägt das gesamte Unternehmensrisiko. Banken, Arbeitskräfte und der Fiskus sind selbst im Konkurs bevorrechtigt; je nach Rechtsform haften Eigentümer sogar privat.
Der Gewinn ist die Vergütung für dieses Risiko. Ohne Chance auf angemessene Rendite würde niemand Eigenkapital geben, die Rendite muss mindestens an Alternativen mit vergleichbarem Risiko heranreichen.
Die Geschäftsführung bekommt ein Gehalt, oft plus Bonus bei Erfolg. Das schafft Anreize, das Misserfolgsrisiko bleibt aber bei den Eigenkapitalgebern.
Herausragende Geschäftsführerinnen sind in einer starken Verhandlungsposition und werden oft hoch am Erfolg beteiligt.

Ist Unternehmensführung ein Nullsummenspiel?

Die GuV legt nahe: Was eine Stakeholdergruppe gewinnt, verliert eine andere (höhere Löhne = weniger Gewinn). Diese Sicht stimmt nur sehr bedingt:

1Nur kurzfristig: Höhere Löhne können Motivation und Qualität steigern, faire Einkaufspreise bessere Lieferbeziehungen und Innovationen bringen.
2Nur finanziell: Kundinnen schätzen auch faire und umweltfreundliche Herstellung. Billig durch Lohndumping erhöht nicht unbedingt ihren Nutzen.
3Die GuV misst nur die finanzielle Produzentenrente aus Eigentümersicht, nicht Konsumentenrente, Arbeitnehmerrente oder Zuliefererrente. Für die gesamte Wertschöpfung ist sie kein geeignetes Instrument.

Innovationen sind das Gegenteil eines Nullsummenspiels: Sie überwinden Trade-offs und schaffen gleichzeitig Wert für mehrere Stakeholder.

Prüfungsfalle: Ein hoher GuV-Gewinn bedeutet nicht automatisch hohe Wertschöpfung für alle Stakeholder. Die GuV erfasst nur Zahlungen, nicht die Renten der Kundinnen, Arbeitskräfte und Zulieferer.

Checkliste: Das musst du können

Ich kann Kosten/Leistungen von Aufwand/Ertrag abgrenzen und erklären, was Anderskosten und kalkulatorische Kosten (Unternehmerlohn, Zinsen) sind.
Ich kenne die drei Stufen Kostenarten-, Kostenstellen- und Kostenträgerrechnung.
Ich kann Einzel-/Gemeinkosten und fixe/variable Kosten (inkl. sprungfix, Kostentreiber) richtig zuordnen und auseinanderhalten.
Ich kann Verrechnungspreise, innerbetriebliche Leistungsverrechnung und Zuschlagskalkulation erklären.
Ich kann Selbstkosten pro Stück berechnen und die Fixkostendegression erklären.
Ich kann Deckungsbeitrag, Gewinn und Break-even-Menge berechnen und sagen, wie Preis- und Kostenänderungen wirken.
Ich kann mit Teilkosten über einen Zusatzauftrag entscheiden.
Ich kenne die zwei Funktionen des Controllings, die Budgetierung und ihre Probleme (Target Ratcheting).
Ich kann diskontieren, den Kapitalwert berechnen und erklären, warum der Zinssatz subjektiv ist.
Ich kann den internen Zinsfuß (auch einperiodig) und den Effektivzins berechnen bzw. eingrenzen und Investitionen und Kredite damit vergleichen.
Ich kann Finanzierungsformen in die Matrix innen/außen und eigen/fremd einordnen und Eigen- mit Fremdkapital vergleichen.
Ich kann den Leverage-Effekt mit ROI und ROE vorrechnen und seine Risiken erklären.
Ich kenne die drei Ansätze der Unternehmensbewertung mit Stärken und Schwächen und weiß, warum die GuV kein Nullsummenspiel beweist.

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