BWL · Kapitel 13/13

Daten, KI, ERP, BI und Blockchain

Digitale Ökonomie24 Min. LesezeitRelevanz ★★★

1 Von Daten zu Wissen: Datenbanken ★★★

Digitale Güter müssen nicht nur geplant und gebaut, sondern auch betrieben, gepflegt und weiterentwickelt werden. Dafür braucht ein Unternehmen gut organisierte Daten. Die Grundlage dafür sind Datenbanken.

Wo dieses Thema im Lebenszyklus steht

Die Arbeit mit Informationssystemen folgt dem Kreislauf Plan – Do – Check – Act: planen, entwickeln, prüfen und dann laufend betreiben und verbessern.

PhaseWas passiert
PlanInformationssystem planen
DoInformationssystem entwickeln
CheckErgebnis prüfen
ActBetrieb des Systems, laufende Nutzung und Verbesserung

Dieses Kapitel gehört zur letzten Phase Act, also zum IS-Betrieb. Hier geht es darum, mit Daten und Wissen tatsächlich zu arbeiten.

Wissen: wird hier als „capacity to act“ verstanden, also als die Fähigkeit, sinnvoll zu handeln.

Wissen entsteht nicht aus dem Nichts. Es baut auf Informationen auf, und Informationen bauen wiederum auf Daten auf. Deshalb beginnt alles bei der sauberen Organisation von Daten.

Einfach erklärt: Ein Kaffeehaus notiert jeden Verkauf (Daten). Daraus sieht die Chefin, dass am Sonntag doppelt so viele Torten gehen (Information). Sie bestellt sonntags mehr Torten (Wissen als Fähigkeit zu handeln).

Datenbank und Datenbankmanagementsystem

Datenbank: ein zentral verwalteter Datenbestand, auf den man über anwendungsunabhängige Zugriffsverfahren zugreifen kann.

Datenbankmanagementsystem (DBMS): die Software, die diesen Datenbestand verwaltet und gleichzeitige Zugriffe durch mehrere Anwendungsprogramme und mehrere Benutzer ermöglicht.

„Anwendungsunabhängig“ heißt: Die Daten gehören nicht einem einzelnen Programm. Die Kassa, die Buchhaltung und das Lagerprogramm können alle auf denselben Bestand zugreifen.

Prüfungsfalle: Die Datenbank ist der Datenbestand selbst. Das DBMS ist die Verwaltungssoftware, die Zugriffe regelt und Mehrbenutzerbetrieb erlaubt. Wer beide gleichsetzt, liegt falsch.

Drei Hauptanforderungen an ein DBMS

1Zugriffssteuerung: Der Datenbestand muss bestimmten Benutzergruppen ganz oder teilweise zugänglich sein und sich für andere Gruppen sperren lassen.
2Auswertbarkeit: Der Bestand muss nach beliebigen Merkmalen ausgewertet und verknüpft werden können.
3Schnelligkeit: Abfragen müssen in kurzer Zeit zu Antworten führen.

Neun spezielle Anforderungen

Zusätzlich gibt es neun speziellere Anforderungen. Du solltest alle neun erkennen können.

AnforderungKurz erklärt
DatenunabhängigkeitProgramme hängen nicht davon ab, wie die Daten technisch gespeichert sind
Benutzerfreundlichkeiteinfache, verständliche Bedienung
Mehrfachzugriffviele dürfen gleichzeitig arbeiten
Flexibilitätneue Abfragen und Auswertungen sind leicht möglich
Effizienzschnelle Abfragen, sparsamer Ressourcenverbrauch
DatenschutzSchutz vor unbefugtem Zugriff und Missbrauch
DatensicherheitSchutz vor Verlust oder Zerstörung
DatenintegritätDaten sind korrekt und widerspruchsfrei
Redundanzfreiheitjede Information nur einmal gespeichert

Prüfungsfalle: Es gibt drei Hauptanforderungen und neun spezielle Anforderungen. Nicht vertauschen.
Datenschutz und Datensicherheit sind nicht dasselbe: Datenschutz fragt „Wer darf das sehen?“, Datensicherheit fragt „Ist das morgen noch da?“.

VertiefungWarum Redundanzfreiheit so wichtig ist

Redundanz heißt: Dieselbe Information steht mehrfach an verschiedenen Stellen.

Das klingt harmlos, führt aber zu Widersprüchen. Ändert ein Fahrradverleih die Adresse einer Kundin nur in der Rechnungsdatei, aber nicht in der Mahnungsdatei, gibt es plötzlich zwei verschiedene Adressen. Welche stimmt?

Eine zentrale Datenbank speichert die Adresse einmal. Alle Programme greifen auf dieselbe Stelle zu. So hängen Redundanzfreiheit und Datenintegrität eng zusammen: weniger Doppelungen, weniger Widersprüche.

Genau dieses Argument taucht später bei den ERP-Systemen wieder auf. Ihr großer Vorteil ist die gemeinsame, zentrale Datenbasis.

VertiefungDatenunabhängigkeit an einem Beispiel

Eine Lern-App speichert ihre Nutzerdaten zuerst auf einem alten Server und zieht später in die Cloud um.

Wenn das DBMS Datenunabhängigkeit bietet, merken die Programme davon nichts. Sie fragen weiterhin „Gib mir alle Nutzer aus Graz“ und bekommen die richtige Antwort, egal wo und wie die Daten physisch liegen.

Ohne Datenunabhängigkeit müsste man bei jeder technischen Änderung alle Programme umschreiben. Das wäre teuer und fehleranfällig.

2 Transaktionen und das ACID-Prinzip ★★★

Datenbanken werden ständig verändert: Es kommen Daten dazu, Daten werden geändert oder gelöscht. Damit dabei nichts schiefgeht, gelten strenge Regeln für jede Änderung.

Was eine Transaktion ist

Transaktion: eine Abfolge von Operationen (Anweisungen), die an einem Datenbestand eines Datenbanksystems durchgeführt wird.

Eine gültige Transaktion ist zum Beispiel ein vollständiger und fehlerfreier Befehl, der Daten hinzufügt, verändert oder löscht.

Damit Transaktionen sauber ablaufen, gilt das ACID-Prinzip. Es beschreibt vier Eigenschaften, die eine Transaktion erfüllen muss, damit sie durchgeführt werden darf.

Die vier ACID-Eigenschaften

BuchstabeEigenschaftBedeutung
AAtomarität (Atomicity)ganz oder gar nicht
CKonsistenz (Consistency)Integritätsbedingungen erfüllt, vorher und nachher konsistenter Zustand
IIsolationgleichzeitige Transaktionen stören sich nicht
DDauerhaftigkeit (Durability)Ergebnis geht nicht verloren
Atomarität: Eine Transaktion wird nur vollständig oder gar nicht ausgeführt. Halbe Sachen gibt es nicht.
Konsistenz: Die Transaktion muss die Integritätsbedingungen (Regeln für gültige Daten) einhalten. Die Datenbank ist vor und nach der Transaktion in einem konsistenten, also widerspruchsfreien Zustand.
Isolation: Transaktionen werden voneinander getrennt bearbeitet und dürfen sich nicht gegenseitig beeinflussen. Das ist wichtig, weil Datenbanken meist im Mehrbenutzerbetrieb laufen und viele Transaktionen gleichzeitig ankommen.
Dauerhaftigkeit: Abgeschlossene Transaktionen dürfen nicht verloren gehen und sich auch nicht mit der Zeit verändern.

Einfach erklärt: Du überweist 50 € von deinem Konto auf das deiner Mitbewohnerin. Atomarität: Abbuchen und Gutschreiben passieren beide oder keines. Konsistenz: Danach stimmt die Gesamtsumme. Isolation: Wenn sie zeitgleich selbst Geld überweist, kommt nichts durcheinander. Dauerhaftigkeit: Auch nach einem Stromausfall ist die Überweisung noch da.

Prüfungsfalle: „Ganz oder gar nicht“ ist Atomarität, nicht Konsistenz. Konsistenz betrifft die Einhaltung von Regeln und den widerspruchsfreien Zustand vorher und nachher.
Isolation heißt nicht, dass nur ein Benutzer arbeiten darf. Im Gegenteil: Sie ist gerade wegen des Mehrbenutzerbetriebs nötig.
Dauerhaftigkeit bezieht sich auf abgeschlossene Transaktionen, nicht auf jeden Zwischenschritt.

VertiefungWas ohne ACID passieren kann

Ein Foodtruck verkauft über eine App vorbestellte Burger. Es ist nur noch ein Burger übrig.

Ohne Atomarität: Die Zahlung wird abgebucht, aber die Bestellung wird wegen eines Absturzes nicht gespeichert. Der Kunde zahlt und bekommt nichts.
Ohne Isolation: Zwei Kundinnen bestellen in derselben Sekunde. Beide Transaktionen lesen „1 Burger frei“ und beide bekommen eine Bestätigung. Ein Burger wurde doppelt verkauft.
Ohne Konsistenz: Der Lagerstand rutscht auf –1, obwohl die Regel „Lagerstand nie unter 0“ gilt.
Ohne Dauerhaftigkeit: Nach einem Neustart des Servers ist die bestätigte Bestellung verschwunden.

Das ACID-Prinzip verhindert genau diese vier Fehlerarten.

3 Data Science und Data Mining ★★★

Wenn Daten gut organisiert sind, will man sie auch nutzen. Data Science liefert die Methoden, um aus großen Datenmengen Erkenntnisse und Handlungsempfehlungen zu gewinnen.

Data Science

Data Science: die Lehre davon, durch Aufbereitung und Analyse von sehr großen, heterogenen (unterschiedlich aufgebauten) Datenbeständen Sachverhalte herauszuholen, um daraus Handlungsempfehlungen für das Management abzuleiten.

Das Ziel im Betrieb ist die Beschreibung, Diagnose und Vorhersage von bisher unbekannten Zusammenhängen, Mustern und Trends.

Data Science ist ein integrativer Ansatz: Sie beantwortet vier aufeinander aufbauende Leitfragen.

LeitfrageAnalytics-ArtZiel
Was ist passiert?DescriptiveBelege aus vergangenen Daten sammeln
Warum ist es passiert?DiagnosticZusammenhänge finden
Was wird passieren?Predictivekünftige Ereignisse abschätzen
Was soll ich tun?PrescriptiveHandlungsempfehlungen ableiten

Einfach erklärt (Bäckerei): Descriptive: „Letzten Monat blieben 200 Semmeln übrig.“ Diagnostic: „Vor allem an Regentagen.“ Predictive: „Morgen regnet es, also werden etwa 30 übrig bleiben.“ Prescriptive: „Back morgen 30 Semmeln weniger.“

Prüfungsfalle: Die Zuordnung ist fix. Predictive fragt „Was wird passieren?“, Prescriptive fragt „Was soll ich tun?“. Die beiden werden gern vertauscht.
Diagnostic sucht das Warum (Zusammenhänge), Descriptive nur das Was (Vergangenheit beschreiben).

Data Mining

Data Mining: die softwaregestützte Suche nach bisher unbekannten Zusammenhängen, Mustern und Trends in umfangreichen Datenbeständen.

Data Mining wird als integrierter Prozess verstanden. Es sucht systematisch nach drei Dingen:

Abweichungen (etwas fällt aus dem Rahmen)
Abhängigkeiten (wenn A, dann oft auch B)
Gruppen (ähnliche Fälle gehören zusammen)

Prüfungsfalle: Data Mining bestätigt nicht bloß Bekanntes. Es geht gerade um bisher unbekannte Muster.

VertiefungBeispiele für die drei Suchrichtungen

Ein Online-Shop für Laufschuhe wertet seine Verkaufsdaten aus:

Abweichung: Eine Kreditkarte bestellt plötzlich zehn Paar Schuhe in fünf Minuten. Möglicherweise Betrug.
Abhängigkeit: Wer Trailschuhe kauft, kauft oft auch Stirnlampen. Das Shop-System schlägt sie automatisch vor.
Gruppen: Die Kundschaft zerfällt in „Gelegenheitsläufer“, „Marathon-Profis“ und „Geschenkkäufer“. Jede Gruppe bekommt eigene Werbung.

Bekannte Plattformen wie Amazon oder Netflix nutzen genau solche Muster für ihre Empfehlungen.

4 Künstliche Intelligenz und Machine Learning ★★

KI ist heute der sichtbarste Teil von Data Science. Für die Prüfung brauchst du die Begriffe sauber getrennt und eine Vorstellung davon, wie ein Sprachmodell arbeitet.

Begriffe rund um KI

Künstliche Intelligenz (KI, AI): das Bestreben, computerbasierte Systeme zu entwickeln, die sich wie Menschen verhalten. Sie können Aufgaben ausführen und menschliche Erfahrung und Entscheidungsfindung nachahmen (emulieren).

Eine zweite, gleichwertige Definition stammt vom EU-Parlament: KI ist die Fähigkeit einer Maschine, menschliche Fähigkeiten wie logisches Denken, Lernen, Planen und Kreativität zu imitieren.

KI erreicht nicht den Umfang, die Komplexität, die Originalität und die Allgemeinheit menschlicher Intelligenz. Trotzdem spielt sie im Alltag eine wichtige Rolle.

Maschinelles Lernen (Machine Learning, ML): beschäftigt sich damit, wie Computerprogramme ihre Leistung verbessern, ohne dass eine Programmiererin oder ein Programmierer ausdrücklich eingreift.

Warum „Lernen“? Ein lernender Computer erkennt wie ein Mensch Muster in Daten und passt sein Verhalten an, und zwar auf Basis der erkannten Muster, der Erfahrungen oder des zuvor Gelernten. ML begegnet uns täglich, etwa wenn eine Suchmaschine Milliarden Webseiten in Millisekunden nach Relevanz sortiert.

BegriffKurz
Generative KITeilgebiet der KI, das neue Inhalte erzeugt (Texte, Bilder)
Natural Language Processing (NLP)Programme, mit denen Maschinen menschliche Sprache in Wort und Schrift „verstehen“
Large Language Model (LLM)leistungsstarkes KI-System, das durch aufwendiges Training an sehr vielen Texten Muster gelernt hat und Sprache verarbeiten, analysieren und selbst erzeugen kann

Ein Chatbot wie ChatGPT ist ein Beispiel: Er versteht und erzeugt natürliche Sprache mithilfe von maschinellem Lernen und Sprachverarbeitung. Seine Grenze: Er stützt sich nur auf Daten und Trainingsbeispiele und hat keine echte menschliche Intuition oder Erfahrung. Das kann zu Fehldeutungen, fehlendem Kontextverständnis und Verzerrungen führen.

Prüfungsfalle: KI imitiert menschliche Fähigkeiten. Die Aussage „KI erreicht heute die Allgemeinheit und Originalität menschlicher Intelligenz“ ist falsch.
Beim ML verbessert sich das Programm ohne explizites Eingreifen eines Menschen. Wenn jemand jede Regel von Hand programmiert, ist das kein maschinelles Lernen.

Wie ein LLM trainiert wird

Ein LLM durchläuft grob drei Trainingsphasen:

PhaseWas passiertWer liefert die „richtige Antwort“?
Self-Supervised LearningKI erkennt selbständig Muster in rohen Texten, indem sie fehlende Wörter (Tokens) errätder Text selbst
Supervised Fine-TuningKI lernt an von Menschen erstellten Beispielen (Eingabe plus gewünschte Ausgabe)Menschen schreiben Musterlösungen
Reinforcement Learning from Human Feedback (RLHF)KI bietet mehrere Antworten an, Menschen bewerten, welche klarer, hilfreicher oder sinnvoller istMenschen vergleichen und bewerten

Einfach erklärt: Self-Supervised ist wie ein Lückentext, den die KI millionenfach selbst löst („Wiener Schnitzel wird traditionell aus ___fleisch gemacht“ → Kalb). Beim Fine-Tuning zeigt ein Mensch: „Auf diese Frage antwortest du so.“ Bei RLHF sagt ein Mensch: „Antwort B war besser als Antwort A.“

Prüfungsfalle: Beim Self-Supervised Learning gibt es keine von Menschen erstellten Lösungen. Menschliche Beispiele kommen erst beim Supervised Fine-Tuning, menschliche Bewertungen erst bei RLHF.

Tokens

Tokenisierung: Ein Text wird in kleine, atomare Einheiten zerlegt, die Tokens.

Ein Token ist typischerweise ein Wort, ein Wortteil oder ein Zeichen (auch Satzzeichen zählen). Ein Satz hat deshalb meist mehr Tokens als Wörter.

Rechenbeispiel Tokens zählen

Der Satz „Der Fahrradverleih öffnet morgen.“ könnte so zerlegt werden:

Der | Fahrrad | verleih | öffnet | morgen | .

4 Wörter
„Fahrradverleih“ wird in zwei Wortteile geteilt, dazu kommt der Punkt
3+2+1=6

Ergebnis: 6 Tokens bei nur 4 Wörtern. Wie genau zerlegt wird, hängt vom jeweiligen Modell ab.

Prüfungsfalle: Token ist nicht gleich Wort. Lange oder seltene Wörter werden oft in mehrere Tokens zerlegt, Satzzeichen sind eigene Tokens.

5 Wie ein LLM antwortet, Prompts und Grenzen ★★

Ein LLM „weiß“ nichts im menschlichen Sinn. Es rechnet aus, welches Wort am wahrscheinlichsten als Nächstes kommt. Daraus ergeben sich seine Stärken und seine Schwächen.

Vom Prompt zur Antwort in fünf Schritten

1Zerlegen: Der Prompt wird in Tokens zerlegt.
2Bedeutung als Vektor: Für jedes Token wird auf Basis der Trainingsdaten und des aktuellen Prompts ein hochdimensionaler Vektor berechnet. Er stellt die Bedeutung des Tokens dar. Ähnliche Wörter haben nahe beieinanderliegende Vektoren (etwa „Arzt“ und „Ärztin“ oder „Auto“ und „Wagen“).
3Relevanz im Kontext: Das Modell berechnet, wie stark jedes andere Token die Deutung eines Tokens beeinflusst. So erkennt es, welche Wörter im Prompt wichtig sind (Inhaltswörter) und welche weniger (Artikel wie „der“, „ein“). Es erkennt auch Zusammenhänge, etwa dass ein Text in Anführungszeichen zusammengehört.
4Mustervergleich: Die erkannten Muster werden mit den im Training gelernten Mustern abgeglichen. Das Modell sucht ähnliche Sequenzen.
5Ausgabe: Es wird die Wahrscheinlichkeit für das nächste Token bestimmt und eines der wahrscheinlichsten gewählt. Dann beginnt das Ganze für das nächste Token von vorn.

Prüfungsfalle: Das Modell findet nur Muster, die früher gelernten Mustern ähneln. Ein echtes Verständnis der Inhalte ist nicht vorhanden.
Es wird eines der wahrscheinlichsten Tokens gewählt, nicht ein fest „richtiges“. Daher kann dieselbe Frage unterschiedliche Antworten liefern.

Prompts und Prompt Engineering

Prompt: die Anweisung der Benutzerin oder des Benutzers an die KI.

Prompt Engineering: der Entwurf und die Optimierung von Anweisungen, um ein möglichst gutes Ergebnis zu bekommen.

Ein Prompt kann unter anderem aus drei Elementen bestehen:

Instruktion: Was soll die KI tun? („Fasse zusammen …“)
Kontext: Hintergrund, Rahmen, Zielgruppe
Outputindikator: Wie soll das Ergebnis aussehen? („… in drei Stichpunkten“)

So gestaltest du einen guten Prompt:

prägnant und klar formulieren
den konkreten Kontext angeben
eine logische Struktur verwenden
komplexe Aufgaben in mehrere einfachere zerlegen
angeben, wie das Ergebnis aussehen soll (Stil, Umfang, Tiefe, Sprache usw.)

Einfach erklärt: Schlecht: „Schreib was über unser Café.“ Besser: „Du schreibst für die Website eines kleinen Wiener Kaffeehauses (Kontext). Formuliere einen Willkommenstext (Instruktion) mit höchstens 60 Wörtern, freundlich und auf Österreichisch (Outputindikator).“

Herausforderungen

Halluzination: Das Modell gleicht Nichtwissen durch frei erfundene, oft vernünftig klingende Aussagen aus.

Grund: Es gibt nicht genug verlässliche Trainingsdaten zur Frage. Das passiert oft bei Nischenthemen, Spezialfragen, aktuellen Ereignissen und personenbezogenen Details.
Folge: KI-Antworten sind keine endgültige Faktenquelle. Sie dienen eher als Inspiration und sollten mit vertrauenswürdigen Quellen abgeglichen werden.

Weitere Probleme entstehen, weil Modelle mit Material trainiert werden, das Menschen direkt oder indirekt geschaffen haben:

„Garbage in, garbage out“: Die Qualität der Trainingsdaten bestimmt die Qualität der Antworten. Schlechte oder einseitige Daten führen zu schlechten oder einseitigen Antworten.
Manipulierbarkeit: Lernt eine KI aus Benutzereingaben, können gezielte Eingaben ihre Ergebnisse in eine falsche oder schädliche Richtung lenken.

EU AI Act: EU-Regeln für den Umgang mit diesen Risiken. Zwei zentrale Punkte:

Transparenzpflicht: detaillierte technische Dokumentation der Funktionen und Informationen über die Trainingsdaten
Modelle müssen umfangreich getestet und Risiken minimiert werden

Prüfungsfalle: Halluzinationen entstehen vor allem bei fehlenden verlässlichen Daten, nicht bei häufig behandelten Standardthemen. Und: Eine Antwort, die plausibel klingt, ist deshalb noch lange nicht richtig.

Wofür LLMs im Betrieb taugen

Sinnvoll sind LLMs vor allem dort, wo viel Text verarbeitet wird und sich Aufgaben wiederholen:

Standardanfragen per E-Mail oder Chat beantworten
Texte übersetzen
Entwürfe erstellen: individuelle Angebote, Stellenausschreibungen, Verträge
Meetings und Dokumente zusammenfassen

Prüfungsfalle: LLMs liefern bei solchen Aufgaben Entwürfe. Wegen Halluzinationen bleibt eine menschliche Kontrolle sinnvoll, besonders bei Verträgen und Fakten.

6 ERP-Systeme ★★★

Jetzt geht es um die großen betrieblichen Informationssysteme. Das ERP-System ist das Rückgrat des täglichen Geschäfts: Es verbindet alle Abteilungen über eine gemeinsame Datenbasis.

Definition

Enterprise-Resource-Planning-System (ERP): eine aus mehreren Komponenten bestehende integrierte betriebliche Anwendungssoftware, die die operativen Prozesse in allen wesentlichen betrieblichen Funktionsbereichen unterstützt.

Getragen wird die Integration von einer zentralen Datenbank. Dadurch werden Datenredundanzen vermieden und integrierte Geschäftsprozesse möglich.

Wichtige Merkmale:

ERP-Systeme unterstützen schwerpunktmäßig innerbetriebliche Geschäftsprozesse und deren Geschäftstransaktionen.
Viele Hersteller bieten standardisierte, konfigurierbare Softwarepakete für gängige Prozesse an. Diese werden über Betriebs- und Branchengrenzen hinweg eingesetzt (bekanntes Beispiel: SAP).
Betriebswirtschaftliche Lösungen werden heute überwiegend mit Standardsoftware umgesetzt.

Einfach erklärt: Eine Bäckereikette mit ERP: Die Filiale bucht einen Großauftrag. Sofort sieht die Produktion, wie viel Mehl nötig ist, der Einkauf bestellt nach, und die Buchhaltung kennt den Umsatz. Alle arbeiten mit denselben Daten statt mit eigenen Excel-Listen.

Prüfungsfalle: ERP-Systeme unterstützen operative, vor allem innerbetriebliche Prozesse. Sie sind nicht in erster Linie Werkzeuge für Management-Analysen (das sind MIS, DSS, BI, BA).
Die Integration beruht auf einer zentralen Datenbank, nicht auf vielen getrennten Abteilungsdatenbanken.

Typische Komponenten

Ein ERP-Komplettpaket deckt die wesentlichen Funktionsbereiche ab, etwa:

Finanzbuchhaltung und Rechnungswesen (Controlling)
Materialwirtschaft (Einkauf, Lager)
Personalwirtschaft
Produktion
Vertrieb

Dazu kommen optionale Funktionen, die man je nach Bedarf ergänzt.

Große und kleine Betriebe

ZielgruppeTypisches ERP-Angebot
Großbetriebebranchenneutrale Komplettpakete, möglichst vollständige Abdeckung aller Funktionen mit vielen Möglichkeiten
Klein- und Mittelbetriebeübersichtlich und kostengünstig, nur die wesentlichen Teilbereiche, daher weniger umfangreich und billiger

Viele Unternehmen setzen integrierte Standardsoftware nur in Kernbereichen ein, typischerweise Finanzbuchhaltung, Materialwirtschaft und Personalwirtschaft.

In marktnahen Bereichen und überall dort, wo sie sich strategische Wettbewerbsvorteile erhoffen, verwenden Unternehmen besser individuell entwickelte Systeme.

Prüfungsfalle: Standardsoftware ist nicht überall die beste Wahl. Wo man sich von der Konkurrenz abheben will, ist Individualsoftware besser, denn Standardsoftware hat ja jeder.

Vorteile von ERP-Systemen

1Eingekauftes Know-how: Mit einem Komplettpaket kauft man moderne betriebswirtschaftliche und softwaretechnische Methoden, die das eigene Personal oft nicht selbst umsetzen könnte.
2Prozesse verbessern: Bei der Einführung werden Schwachstellen aufgedeckt. Man vergleicht dabei stets den Ist-Zustand mit dem gewünschten Soll-Zustand und mit den Möglichkeiten des Pakets.
3Einheitliche Datenbasis: Sie vermeidet Redundanz und erlaubt die zentrale Auswertung betriebsweiter Daten. Die zentrale Datenverwaltung kann auch Änderungen der Geschäftsprozesse nach sich ziehen.

Prüfungsfalle: Die Verbesserung von Prozessen ist ein Vorteil schon während der Einführung, nicht erst im laufenden Betrieb. Und: Ein ERP passt sich nicht nur dem Unternehmen an, oft passt sich auch das Unternehmen dem ERP an.

VertiefungWarum Unternehmen ihre Prozesse an das ERP anpassen

Standardsoftware bildet bewährte Abläufe ab, die bei vielen Unternehmen funktionieren. Bei der Einführung stellt man fest: „Unser Ablauf für Reklamationen hat fünf unnötige Schritte, das Paket schafft es in zwei.“

Dann ist es oft klüger, den eigenen Prozess zu ändern, statt die Software teuer umzubauen. So wird die Einführung selbst zur Gelegenheit, das Unternehmen besser zu organisieren.

Umgekehrt bleibt dort, wo der eigene Ablauf ein Wettbewerbsvorteil ist, eine Eigenentwicklung sinnvoll. Ein Fahrradverleih mit einem einzigartigen App-Buchungssystem wird gerade das nicht durch Standardsoftware ersetzen.

7 MIS, DSS, BI und BA ★★★

ERP-Systeme erzeugen riesige Mengen an Daten über das Tagesgeschäft. Führungskräfte brauchen daraus aufbereitete Informationen für Entscheidungen. Dafür gibt es die Managementinformationssysteme und ihre drei Bereiche.

Managementinformationssystem (MIS)

Managementinformationssystem (MIS): ein rechnergestütztes Informationssystem, das Führungskräften eine adäquate Informationsversorgung und Entscheidungsunterstützung bietet.

„Adäquat“ hat zwei Seiten:

aufgabengerechte Informationsinhalte (die richtigen Inhalte)
benutzergerechte Darstellung und Bedienbarkeit, passend zum Stil des Managements (die richtige Form)

MIS spielen eine wesentliche Rolle bei der Vorbereitung betrieblicher Entscheidungen durch das Management.

Die drei Bereiche des MIS

Das MIS ist der Oberbegriff. Darunter liegen drei Bereiche:

BereichSchwerpunkt
Decision Support System (DSS)Methoden und Modelle für Prognosen, Optimierungen, Simulationen
Business Intelligence (BI)Datenquellen integrieren, auswerten, Berichte bereitstellen
Business Analytics (BA)auf spezielle Managementaufgaben zugeschnitten

Prüfungsfalle: DSS, BI und BA sind Teilbereiche des MIS, keine Gegenstücke dazu. Und das ERP ist kein Teilbereich des MIS, sondern das operative System, aus dem viele Daten stammen.

Decision Support System (DSS)

Decision Support System (DSS), deutsch Entscheidungsunterstützungssystem (EUS): hilft bei der Entscheidungsvorbereitung für eng abgegrenzte Aufgabenstellungen. Schwerpunkt ist die Untersuchung möglicher Handlungsalternativen.

Man spricht von einem DSS, wenn das System Funktionen zur Überprüfung von Hypothesen in einer Entscheidungssituation bietet. Die Benutzerin gibt ihre Annahmen über Zusammenhänge zwischen Entscheidungsvariablen ein und prüft sie anhand der vorhandenen Daten.
Ein DSS kombiniert Daten, komplexe analytische Modelle und Werkzeuge sowie benutzerfreundliche Software zu einem einzigen, leistungsfähigen System.

Einfach erklärt: Der Fahrradverleih überlegt: „Wenn wir den Tagespreis von 15 € auf 18 € anheben, wie viele Buchungen verlieren wir?“ Das DSS spielt diese „Was-wäre-wenn“-Frage mit den bisherigen Buchungsdaten durch.

MIS oder DSS?

MISDSS
Ausrichtungauf die Funktion „Management“ allgemeinauf ein bestimmtes Entscheidungsproblem
Umfangein System oder eine Zusammenfassung mehrerer Systemeeine konkrete Aufgabe

Prüfungsfalle: Das DSS ist immer auf ein konkretes Entscheidungsproblem ausgerichtet. Das MIS ist allgemein für das Management gedacht. Eine Aussage wie „Ein MIS ist auf ein einzelnes Entscheidungsproblem zugeschnitten“ ist falsch.

Business Intelligence (BI)

Business Intelligence: Anwendungen und Techniken, die Daten aus vielen verschiedenen Quellen sammeln, speichern, analysieren und zugänglich machen, damit Benutzer bessere Entscheidungen treffen.

BI-Systeme sind individuell an ein Unternehmen angepasste analytische Anwendungen zur Integration und Auswertung großer Datenbestände. Sie werden mit passenden Softwarewerkzeugen zusammengestellt.
Sie nutzen Daten aus den unternehmensweiten Anwendungssystemen (etwa dem ERP) und der IT-Infrastruktur.
Damit unterstützen sie sehr fein strukturierte Entscheidungen zu:
–Führung des Unternehmens
–Koordination von Arbeitsaktivitäten im ganzen Unternehmen
–schneller Reaktion auf sich ändernde Märkte und Kunden

Business Analytics (BA)

Business Analytics: integrierte Lösungen zur Unterstützung spezifischer betrieblicher Entscheidungsprozesse auf operativer und taktischer Ebene. Die für das Entscheidungsfeld nötigen Methoden bzw. Modelle, Daten und Datenquellen sind zu Modulen gekapselt (fertig gebündelt).

Der Begriff „Business Analytics“ wird auch im deutschen Sprachraum so verwendet.
Analyse heißt: einen Sachverhalt systematisch auf alle Komponenten oder Faktoren untersuchen, die ihn bestimmen.
Typisches Anwendungsgebiet: die Messung der Effektivität und Effizienz von Geschäftsprozessen.

BI oder BA?

Business IntelligenceBusiness Analytics
Analyseartvor allem grundlegende deskriptive Analysenfortgeschrittene Analyseverfahren
Zweckbeschreiben und verstehenvorhersagen und optimieren

Man kann sich das als Treppe der analytischen Fähigkeiten vorstellen: beschreiben → verstehen → verbessern → vorhersagen → optimieren. BI deckt die unteren Stufen ab, BA die oberen.

Einfach erklärt: BI zeigt der Bäckereikette auf einem Dashboard: „So viel Umsatz hatte jede Filiale letzte Woche.“ BA rechnet aus: „So viel wird jede Filiale nächste Woche verkaufen, und so solltest du die Lieferungen verteilen.“

Prüfungsfalle: BI = vor allem deskriptiv (Vergangenheit beschreiben und verstehen). BA = Vorhersage und Optimierung. Wer BI „Optimierung“ als Hauptzweck zuschreibt, liegt falsch.
BA wirkt auf operativer und taktischer Ebene, nicht vorrangig auf der strategischen.
BI-Systeme sind individuell an ein Unternehmen angepasst, während ERP-Systeme meist Standardsoftware sind.

VertiefungWie die Analytics-Stufen und die Systeme zusammenpassen

Die vier Leitfragen aus der Data Science lassen sich gut auf BI und BA legen:

LeitfrageAnalytics-Arteher …
Was ist passiert?DescriptiveBI
Warum ist es passiert?DiagnosticBI (verstehen)
Was wird passieren?PredictiveBA
Was soll ich tun?PrescriptiveBA (optimieren)

Das DSS passt dazu, weil es mit Modellen konkrete Handlungsalternativen durchrechnet, also ebenfalls in Richtung Prognose, Optimierung und Simulation geht. Der Unterschied: Das DSS ist auf ein eng abgegrenztes Problem zugeschnitten, BA auf spezifische Entscheidungsprozesse mit fertigen Modulen.

Die Grenzen sind fließend. Für die Prüfung zählt die typische Zuordnung, nicht jeder Sonderfall.

VertiefungDer Weg der Daten durch die Systeme
1Im operativen Geschäft fallen Daten an: Kassa, Bestellungen, Lager. Das ERP-System speichert sie in seiner zentralen Datenbank.
2BI holt diese Daten und weitere Quellen (Webshop, Social Media, Marktdaten) zusammen, wertet sie aus und baut Berichte.
3BA und DSS nutzen die aufbereiteten Daten für Prognosen, Simulationen und Optimierung.
4Das Management trifft auf dieser Basis Entscheidungen, die wieder ins operative Geschäft zurückwirken.

So schließt sich der Kreis von Daten über Information zu Wissen als Fähigkeit zu handeln.

8 Blockchain ★★★

Zum Schluss eine besondere Form der Datenbank: die Blockchain. Sie ist interessant, wenn viele Beteiligte zusammenarbeiten müssen, die einander nicht automatisch vertrauen.

Was eine Blockchain ist

Die Blockchain ist eine Datenbank, und zwar eine besondere Art davon. Man kann es sich als Ineinander-Schachtelung vorstellen:

Datenbanken sind der Oberbegriff.
–Eine Untergruppe davon sind Distributed Ledgers (verteilte Register).
–Die Blockchain ist wiederum eine Form eines Distributed Ledgers.

Centralized Ledger vs. Distributed Ledger:

Centralized LedgerDistributed Ledger
Wo liegen die Daten?an einer zentralen Stelleverteilt, viele haben eine Kopie
Wer kontrolliert?eine zentrale Instanzdas Netzwerk gemeinsam

Eigenschaften der Blockchain:

fälschungssichere, dezentrale Datenbank (Distributed Ledger)
unveränderliches Protokoll von Transaktionen, gespeichert in Blöcken
ursprünglicher Anwendungsfall: Zahlungen mit Kryptowährungen
kryptografisch gesichert durch Hash-Funktionen

Prüfungsfalle: Blockchain und Kryptowährung sind nicht dasselbe. Die Blockchain ist eine Datenbank-Technologie; Kryptowährungen waren nur ihr ursprünglicher Anwendungsfall.
Jede Blockchain ist ein Distributed Ledger, aber nicht jeder Distributed Ledger ist eine Blockchain.

Aufbau: eine Kette aus Blöcken

Blockchain: eine Kette von Datenblöcken, die Transaktionen enthalten.

Kurzformel: Block = Transaktionen + Hashwert des vorherigen Blocks + Metadaten

Jeder Block hat drei Hauptbestandteile:

Block-Header: enthält Metadaten, etwa den Hash des vorherigen Blocks, den eigenen Hash oder den Zeitstempel
Transaktionsliste: alle neuen Transaktionen, die in diesem Block bestätigt wurden
Hash-Wert: eine eindeutige kryptografische Signatur des Blocks, die seine Integrität sichert

Die Blöcke sind linear miteinander verbunden. So entsteht eine Kette, daher der Name.

Kryptografische Hash-Funktion: ein Verfahren, das für eine beliebig lange Zeichenfolge einen eindeutigen Hashwert berechnet. Damit lässt sich sicherstellen, dass die Zeichenfolge unverändert vorliegt.

Einfach erklärt: Der Hash ist wie ein digitaler Fingerabdruck. Ändert man im Text auch nur einen Buchstaben, sieht der Fingerabdruck völlig anders aus. Weil jeder Block den Fingerabdruck seines Vorgängers trägt, fällt jede nachträgliche Änderung sofort auf.

VertiefungWarum die Kette fälschungssicher ist

Angenommen, jemand ändert in Block 2 nachträglich eine Transaktion („Lieferung am 3. statt am 5. März“).

1Der Inhalt von Block 2 ändert sich, also ändert sich auch sein Hash.
2Block 3 hat aber den alten Hash von Block 2 in seinem Header gespeichert. Die Verbindung passt nicht mehr.
3Um das zu verbergen, müsste man Block 3, Block 4 und alle folgenden neu berechnen.
4Und das auch noch auf den Kopien aller anderen Knoten im Netzwerk, die die Änderung sonst ablehnen.

Deshalb gilt die Blockchain als unveränderliches Protokoll: Eine Änderung ist nicht unmöglich zu versuchen, aber praktisch nicht unbemerkt durchzusetzen.

Das Peer-to-Peer-Netzwerk

Die Blockchain läuft über ein dezentrales Peer-to-Peer-Netzwerk (P2P), also ein Netz aus gleichberechtigten, autonomen Teilnehmern (Knoten).

Jeder Knoten (Blockchain-Nutzer) besitzt eine Kopie der Blockchain.
Die Knoten prüfen die Gültigkeit von Transaktionen und Blöcken.
Über den Inhalt der Blockchain wird ein Konsens zwischen den Knoten erzielt; es gibt keine zentrale Stelle, die allein entscheidet.
Jeder Knoten kommuniziert mit mehreren Nachbarn. Nachrichten verbreiten sich durch wiederholtes Weiterleiten im Netz.

Aufgaben eines Knotens:

1die lokale Kopie der Blockchain verwalten
2empfangene Transaktionen und Blöcke auf Gültigkeit prüfen
3verifizierte (geprüfte) Transaktionen und Blöcke im Netz weiterleiten

Prüfungsfalle: Knoten leiten nur verifizierte Transaktionen weiter, nicht einfach alles, was sie empfangen. Und nicht ein zentraler Server, sondern jeder Knoten hat eine eigene Kopie.

Blockchain in Lieferketten (Supply Chain Management)

In Lieferketten arbeiten viele Unternehmen zusammen: Rohstofflieferant, Hersteller, Spediteur, Händler. Unternehmen müssen außerdem zunehmend nachweisen, dass sie ihre Sorgfaltspflicht (etwa bei Nachhaltigkeit und Menschenrechten) einhalten.

Warum Blockchain hier passt:

ProblemWas die Blockchain leisten soll
viele unabhängige AkteureZusammenarbeit ermöglichen, Vertrauen schaffen
komplexe ProzesseAufzeichnungen nur für direkt Beteiligte verfügbar machen, mangelnder Transparenz entgegenwirken
zentrale Plattformenvermeiden, um zusätzliche Abhängigkeiten zu verringern

Anwendungen in Lieferketten:

Rückverfolgbarkeit von Waren und Dokumentation der Prozessschritte. Der Überblick über die Lieferkette dient für Datenanalysen, Rückrufe und Audits und soll die Einhaltung der Sorgfaltspflicht nachweisen.
Sichere Herkunftszertifikate und Qualitätssiegel als Schutz vor Betrug. Ihre Gültigkeit lässt sich etwa per Smartphone-App prüfen.
Nachweis von Nachhaltigkeitskriterien, etwa durch Dokumentation von Emissionen und den Handel mit CO2-Zertifikaten.

Einfach erklärt: Eine Rösterei kauft Bio-Kaffee aus Äthiopien. Bauer, Genossenschaft, Reederei und Rösterei tragen jeden Schritt in die Blockchain ein. Die Kundin scannt im Supermarkt einen Code und sieht, woher die Bohnen kommen. Keiner der Beteiligten kann die Einträge später heimlich schönen.

Prüfungsfalle: Ein Motiv ist gerade, zentrale Plattformen zu vermeiden, weil sie zusätzliche Abhängigkeiten schaffen. Die Aussage „Blockchain in Lieferketten soll eine zentrale Plattform eines Anbieters stärken“ ist falsch.
Transparenz heißt hier nicht, dass jeder alles sieht: Aufzeichnungen sollen für die direkt Beteiligten verfügbar sein.

VertiefungBlockchain im Vergleich zur klassischen Datenbank
klassische Datenbank mit DBMSBlockchain
Verwaltungzentraldezentral (P2P)
Vertrauenin den Betreiberdurch Kryptografie und Konsens
Änderungenerlaubt (Daten ändern, löschen)nur Anhängen neuer Blöcke, Bestehendes bleibt

Beide sind Datenbanken. Eine klassische Datenbank ist ideal, wenn ein Unternehmen die Daten verwaltet und alle ihm vertrauen, etwa beim ERP. Eine Blockchain lohnt sich vor allem dann, wenn viele unabhängige Parteien gemeinsame Daten führen und keine zentrale Stelle haben wollen.

Checkliste: Das musst du können

Ich kann erklären, warum Wissen als „capacity to act“ auf Informationen und Daten aufbaut und zur Act-Phase (IS-Betrieb) gehört.
Ich kann Datenbank und DBMS unterscheiden und die drei Haupt- sowie die neun speziellen Anforderungen an ein DBMS nennen.
Ich kann die vier ACID-Eigenschaften erklären und an einem Beispiel zuordnen.
Ich kann Data Science und Data Mining definieren und die vier Analytics-Arten mit ihren Leitfragen zuordnen.
Ich kann KI, Machine Learning, generative KI, NLP und LLM abgrenzen.
Ich kann die drei Trainingsphasen eines LLM und die fünf Schritte bis zur Antwort beschreiben, inklusive Tokens und Vektoren.
Ich kann Prompt, Prompt Engineering, die Prompt-Elemente und Gestaltungsregeln nennen sowie Halluzination, „Garbage in, garbage out“ und den EU AI Act erklären.
Ich kann ERP definieren, typische Komponenten, die Unterschiede zwischen Groß- und Kleinbetrieben und die drei Vorteile nennen.
Ich kann MIS als Oberbegriff erklären und DSS, BI und BA voneinander und vom MIS abgrenzen.
Ich kann Aufbau, Hash-Funktion und P2P-Netzwerk der Blockchain erklären und ihre Anwendungen in Lieferketten nennen.

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