BWL · Kapitel 12/13

IS-Management und Geschäftsprozesse

Digitale Ökonomie22 Min. LesezeitRelevanz ★★

1 Informationssysteme und IS-Management ★★

Hier geht es um die Frage, wie digitale Güter überhaupt entstehen: Wer plant, baut, steuert und betreibt die Systeme, mit denen ein Unternehmen Wert für Kund:innen und andere Stakeholder schafft? Die Antwort liefert das IS-Management.

Was ein Informationssystem ist

Informationssystem (IS): ein System aus Menschen und Maschinen, die Information erzeugen und nutzen und über Kommunikationsbeziehungen miteinander verbunden sind.

Wichtig ist das Wort „Menschen“: Ein IS ist nicht nur Technik. Zum IS einer Bäckerei gehören die Kassa, das Bestellprogramm und der Server, aber genauso die Verkäuferin, die Bestellungen eintippt, und der Chef, der am Abend die Umsätze auswertet.

Einfach erklärt: Ein Informationssystem ist wie ein Nervensystem im Unternehmen. Technik (Kabel, Rechner, Software) und Menschen (die Information liefern, lesen und danach handeln) arbeiten zusammen, damit die richtige Information zur richtigen Stelle kommt.

Prüfungsfalle: „Ein Informationssystem besteht ausschließlich aus Hardware und Software“ ist falsch. Zu einem IS gehören Menschen und Maschinen samt ihrer Kommunikationsbeziehungen.

Was IS-Management bedeutet

IS-Management: alle organisatorischen, planerischen und dispositiven (steuernden, anordnenden) Tätigkeiten, die nötig sind, um betriebliche Informationssysteme zu planen, zu entwickeln, zu betreiben und zu kontrollieren.

Die vier Aufgaben lassen sich gut mit einem bekannten Kreislauf merken:

Der PDCA-Zyklus als roter Faden

PDCA-Zyklus: ein Kreislauf aus Plan – Do – Check – Act (planen – umsetzen – prüfen – handeln/verbessern), der immer wieder von vorne beginnt.

PhaseBedeutungIm IS-Management
PlanvorausdenkenIS-Planung (was brauchen wir, welche Software?)
DoumsetzenIS-Entwicklung (System bauen, anpassen, einführen)
Checkprüfen, steuernKontrolle und Steuerung, etwa durch IT-Governance und Tests
Acthandeln, laufend betreibenIS-Betrieb (System am Laufen halten, mit Daten und Wissen weiterentwickeln)

Dieses Kapitel deckt vor allem Plan, Do und Check ab. Der laufende Betrieb (Act) wird mit dem Thema Daten, Datenbanken und betriebliche Anwendungssysteme fortgesetzt.

Prüfungsfalle: Die IS-Entwicklung gehört zur Phase Do, nicht zu Plan. Die IS-Planung ist Plan, der IS-Betrieb ist Act.

VertiefungWarum ein Kreislauf und keine Einbahnstraße?

Ein Informationssystem ist nie „fertig“. Gesetze ändern sich, Kund:innen wollen neue Funktionen, Hardware veraltet, neue Sicherheitslücken tauchen auf.

Beim Prüfen (Check) fällt auf, was nicht passt, etwa dass die Bestell-App zu langsam ist.
Beim Handeln (Act) wird das System im Alltag betrieben und verbessert.
Daraus entstehen neue Anforderungen, die wieder in die Planung (Plan) einfließen.

So schließt sich der Kreis. Der Gedanke passt zur Leitidee der Betriebswirtschaft: Unternehmen schaffen Wert für ihre Stakeholder, indem sie sich durch laufende Innovation an neue Bedürfnisse anpassen. Das IS-Management ist die Maschinerie, die solche digitalen Innovationen hervorbringt und am Leben hält.

Ein Beispiel durch alle vier Phasen: Ein Fahrradverleih will eine Buchungs-App.

1Plan: Er überlegt, ob er eine fertige Buchungssoftware mietet oder eine eigene App bauen lässt.
2Do: Die App wird entwickelt, getestet und eingeführt.
3Check: Man kontrolliert, ob die App die Unternehmensziele unterstützt und Regeln einhält.
4Act: Die App läuft im Alltag, Buchungsdaten werden ausgewertet, Verbesserungen werden angestoßen.

2 IS-Planung und Softwarestrategie ★★★

Bevor ein System gebaut oder gekauft wird, muss man es durchdenken. Kernfrage der IS-Planung ist vor allem: Welche Software soll das Unternehmen verwenden und wie kommt es zu ihr?

Was Planung heißt

Planung: ein vorbereitendes Durchdenken. Man nimmt künftige Aktivitäten gedanklich vorweg, legt ihre sinnvolle Reihenfolge fest und stellt die nötigen Ressourcen bereit.

Das Ziel: Die Aktivitäten sollen später mit möglichst geringen Reibungsverlusten ablaufen.

Einfach erklärt: Wer vor dem Umzug plant, welche Kisten zuerst ins Auto kommen und wer wann hilft, spart sich am Umzugstag Chaos. Genauso spart gute IS-Planung später teure Umwege.

Strategische Softwareplanung

Software ist das Kernstück jedes Informationssystems: Sie sorgt dafür, dass IT-gestützte Funktionen und Prozesse automatisch ablaufen.

An Software kommt ein Unternehmen auf mehreren Wegen:

Kauf (fertiges Produkt erwerben)
Wiederverwendung (vorhandene Komponenten erneut einsetzen)
Anpassung (bestehende Software umbauen)
Neuentwicklung (selbst oder im Auftrag programmieren)

Welcher Weg der beste ist, hängt von der jeweiligen Situation ab. Es gibt also keine Pauschalantwort.

Software-as-a-Service (SaaS)

Software-as-a-Service (SaaS): Die Software wird nicht auf dem eigenen Rechner installiert, sondern läuft auf den Servern des Anbieters und wird über das Internet genutzt.

Man bekommt keine physische Kopie der Software.
Man erwirbt nur Nutzungsrechte an einer Software, die beim Anbieter installiert ist.
Der Zugriff erfolgt direkt über das Internet (meist im Browser oder per App).

Einfach erklärt: SaaS ist wie Streaming statt DVD. Du besitzt den Film nicht, sondern darfst ihn nutzen, solange du zahlst. Ein Kaffeehaus, das sein Kassensystem online im Abo nutzt, verwendet SaaS.

Prüfungsfalle: Bei SaaS kauft man die Software nicht und installiert sie auch nicht lokal. Man erhält nur Nutzungsrechte, die Software bleibt beim Anbieter.

Die zwei Grundentscheidungen

Bei der strategischen Softwareplanung sind zwei Fragen zu klären. Sie sind voneinander unabhängig:

FrageOption AOption B
1. Wie allgemein soll die Software sein?StandardsoftwareIndividualsoftware
2. Kaufen oder frei nutzen?Kommerzielle SoftwareOpen-Source-Software

Standardsoftware (packaged software): vorgefertigte Programme, die auf allgemeine Anwendbarkeit und mehrfache Nutzung ausgelegt sind. Viele Anwender:innen setzen sie für ähnliche oder wiederkehrende Aufgaben ein (z. B. Tabellenkalkulation, Buchhaltungsprogramm).

Individualsoftware (custom software): Programme, die speziell für einen bestimmten Anwendungsfall entwickelt und meist auf ein konkretes Aufgabenprofil zugeschnitten sind (z. B. eine Tourenplanung, die nur genau für die Lieferwege einer Bäckereikette gebaut wurde).

Kommerzielle Software (commercial software): von Unternehmen entwickelt mit dem Ziel, durch Verkauf oder Nutzung Geld zu verdienen.

Open-Source-Software (OSS): Software, deren Quelltext für alle einsehbar und frei verfügbar ist. Es gibt verschiedene Lizenzen, die unterschiedlich viel Freiheit beim Verwenden und Weiterverbreiten gewähren.

Prüfungsfalle: Standard vs. Individual und kommerziell vs. Open Source sind zwei verschiedene Fragen. Open Source ist nicht das Gegenteil von Standardsoftware, sondern das Gegenstück zu kommerzieller Software.
Prüfungsfalle: Open Source heißt nicht „ohne Regeln“. Es gibt verschiedene Lizenzen mit unterschiedlichen Freiheitsgraden.

Vorteile von Standardsoftware

VorteilWarum?
KostengünstigkeitDie Entwicklungskosten teilen sich viele Käufer:innen.
ZeitersparnisEin ausgereiftes Programm anpassen geht meist viel schneller als neu entwickeln.
Engpässe ausgleichenFehlendes Personal oder Know-how im eigenen Haus wird kompensiert.
ZukunftssicherheitSeriöse Anbieter entwickeln ihre Produkte ständig weiter.

Vorteile von Open-Source-Software

VorteilWarum?
IndividualisierungZugriff auf den Quellcode: Man kann das Programm beliebig anpassen und sicherheitskritische Funktionen selbst prüfen und bei Bedarf abschalten.
TransparenzWeil der Code offen ist, werden Fehler schneller entdeckt und behoben.
KollaborationKein einzelnes Unternehmen schränkt die Nutzung ein; eine Community im Internet pflegt die Software gemeinsam.
FlexibilitätPflege und Weiterentwicklung hängen nicht von einer Firma ab; jede interessierte Person könnte sie übernehmen.

Prüfungsfalle: Zukunftssicherheit ist ein Vorteil der Standardsoftware (Anbieter entwickelt weiter). Flexibilität im Sinn von „hängt nicht von einer Firma ab“ ist ein Vorteil von Open Source. Diese Zuordnungen werden gern vertauscht.
Prüfungsfalle: Transparenz bei Open Source bedeutet: Fehler werden durch den offenen Code schneller gefunden. Es heißt nicht, dass Open-Source-Software fehlerfrei ist.

VertiefungKombinationen und Gegenargumente

Die zwei Fragen lassen sich kombinieren:

Standard + kommerziell: ein gekauftes Office-Paket
Standard + Open Source: ein freier Browser oder ein freies Office-Programm
Individual + kommerziell: eine App, die eine Agentur gegen Bezahlung für genau einen Fahrradverleih programmiert
Individual + Open Source: ein eigenes Tool, das auf freien Bausteinen aufbaut und dessen Code offengelegt wird

Die Kehrseite (Allgemeinwissen zur Einordnung):

Standardsoftware passt selten zu 100 %. Oft muss sich das Unternehmen an die Software anpassen, und man wird vom Anbieter abhängig.
Individualsoftware ist passgenau und kann ein echtes Alleinstellungsmerkmal sein, ist aber teurer und dauert länger.
Open Source spart Lizenzkosten, braucht aber oft eigenes Know-how für Anpassung und Wartung.

Warum Software „Kernstück“ ist: Hardware ohne Software tut nichts. Erst die Software legt fest, welche Abläufe automatisch passieren, z. B. dass nach einer Online-Bestellung automatisch eine Rechnung erstellt wird.

3 IT-Governance ★★★

Ein Unternehmen gibt viel Geld für IT aus. IT-Governance sorgt dafür, dass man diese IT durchschaut, steuern kann und dass sie in dieselbe Richtung zieht wie das restliche Unternehmen.

Begriff und Ziel

IT-Governance: Maßnahmen, Strukturen und Prozesse, die die IT-Leistungen eines Betriebs transparenter und leichter steuerbar machen.

Ein zentrales Ziel: Die IS-Strategie soll mit der übrigen Unternehmensstrategie übereinstimmen.

Einfach erklärt: Will ein Kaffeehaus vor allem mit persönlichem Service punkten, wäre es seltsam, das ganze IT-Budget in einen Bestellroboter zu stecken. IT-Governance sorgt dafür, dass IT-Entscheidungen zur Gesamtstrategie passen.

Frameworks: Was und Wie

In der IT-Governance werden Frameworks, Rahmenmodelle oder Standards als Richtlinien vorgeschlagen, um bestimmte Vorgaben oder Anforderungen zu erfüllen. Sie beantworten zwei Fragen:

WAS kann ich alles tun? (welche Maßnahmen und Prozesse es gibt)
WIE kann ich es umsetzen? (Anleitung, wie man das im eigenen Betriebskontext erfolgreich macht)

COBIT und ITIL

Zwei der wichtigsten Rahmenmodelle:

ModellLangformWofür?
COBITControl Objectives for Information and Related TechnologyFramework für IT-Governance
ITILInformation Technology Infrastructure LibrarySammlung von Richtlinien für IT-Servicemanagement

Beide Rahmenwerke enthalten den PDCA-Zyklus.

Prüfungsfalle: COBIT = IT-Governance-Framework. ITIL = Richtlinien für IT-Servicemanagement. Merkhilfe: ITIL hat ein „I“ wie „Infrastruktur und Services“, COBIT ein „C“ wie „Control“.

Die sechs Prinzipien von COBIT 2019

COBIT 2019 ist ein Framework für Steuerung (Governance) und Management von IT, das auf das Gesamtunternehmen ausgerichtet ist. Es folgt sechs Prinzipien:

1Anforderungen der Stakeholder (Anspruchsgruppen) erfüllen
2Das gesamte Unternehmen abdecken
3Ein angepasstes, einheitliches und integriertes Rahmenwerk anwenden
4Einen ganzheitlichen Ansatz ermöglichen
5Governance und Management trennen
6Ein dynamisches Governance-System

Einfach erklärt: Die sechs Prinzipien als Satz gemerkt: „Für alle Stakeholder, im ganzen Unternehmen, mit einem stimmigen Rahmen, ganzheitlich, Steuern und Ausführen getrennt, und immer beweglich.“

Prüfungsfalle: Ein COBIT-Prinzip ist die Trennung von Governance und Management, nicht deren Zusammenlegung.
Prüfungsfalle: COBIT 2019 bezieht sich auf das gesamte Unternehmen, nicht nur auf die IT-Abteilung. Und das Governance-System ist dynamisch, nicht starr.

VertiefungGovernance vs. Management: was der Unterschied ist

Governance heißt: Richtung vorgeben, Ziele und Prioritäten festlegen und überwachen, ob sie erreicht werden. Das ist Aufgabe der obersten Ebene (etwa Geschäftsführung oder Aufsichtsrat).

Management heißt: im Rahmen dieser Vorgaben planen, bauen, betreiben und überwachen, also die Arbeit tatsächlich organisieren.

Warum trennen? Wer die Arbeit macht, soll sich nicht selbst die Ziele setzen und sich selbst kontrollieren. Das ist dieselbe Idee wie bei der Corporate Governance: Kontrolle und Ausführung werden auseinandergehalten.

Zu den anderen Prinzipien kurz erklärt:

Stakeholder-Anforderungen: IT soll Wert für alle Anspruchsgruppen schaffen (Kund:innen, Mitarbeitende, Eigentümer:innen, Behörden).
Ganzes Unternehmen: IT betrifft jede Abteilung, nicht nur die Technik.
Einheitlicher, integrierter Rahmen: Lieber ein stimmiges Regelwerk als viele Einzelregeln, die sich widersprechen; angepasst an die eigene Firma.
Ganzheitlich: Technik, Prozesse, Menschen, Kultur und Information werden zusammen gedacht.
Dynamisch: Ändern sich Strategie oder Technik, passt sich das Governance-System an.

4 IS-Entwicklung und Requirements-Engineering ★★★

Die IS-Entwicklung ist die Do-Phase: Hier wird umgesetzt, was in der Planung beschlossen wurde. Der wichtigste und fehleranfälligste Schritt ist der allererste: herausfinden, was das System überhaupt können soll.

Begriff

IS-Entwicklung: setzt die in der IS-Planung erstellten Projektaufträge um. Sie entwickelt, passt an und führt ein.

Dabei muss sie:

vorgegebene Termine und Kosten einhalten,
die Qualitätsstandards erfüllen,
die IS-Architektur (den Gesamtaufbau aller Systeme) schrittweise weiterentwickeln.

Der IS-Entwicklungszyklus

Die Entwicklung läuft in vier Phasen, die einen Kreislauf bilden. Am Ende geht das System in den IS-Betrieb über.

1Requirements-Engineering: Anforderungen umfassend analysieren, damit alle nötigen Funktionen und Leistungsmerkmale erkannt und dokumentiert sind.
2Entwurf: eine Systemarchitektur entwerfen, die diese Anforderungen erfüllen kann. Sie wird so lange verfeinert, bis jeder einzelne Systembaustein im Detail geplant ist.
3Implementierung: das Design mit konkreten Techniken in ein Hardware- und Softwaresystem umsetzen (programmieren, aufbauen).
4Test: prüfen, ob das System den Spezifikationen entspricht, und zwar einzelne Bestandteile isoliert und das System als Ganzes.

Einfach erklärt: Wie beim Hausbau: Zuerst klärst du mit den Bewohner:innen, was sie brauchen (Anforderungen). Dann zeichnet die Architektin Pläne (Entwurf), dann wird gebaut (Implementierung), dann wird abgenommen (Test). Erst danach zieht man ein (Betrieb).

Prüfungsfalle: Die richtige Reihenfolge ist Requirements-Engineering → Entwurf → Implementierung → Test. Getestet wird nach der Implementierung, entworfen vor ihr.

Requirements-Engineering (Anforderungsanalyse)

Requirements-Engineering: die möglichst vollständige Gewinnung und Aufzeichnung der Anforderungen an ein neues oder zu erweiterndes System. Man kann es auch als Prozess sehen: Bedürfnisse und Erwartungen der Stakeholder werden identifiziert, analysiert, dokumentiert und verwaltet.

Ergebnis ist die Anforderungsspezifikation (requirements specification). Weil die ganze weitere Entwicklung darauf aufbaut, soll sie sein:

vollständig
gut verständlich
fehlerfrei
widerspruchsfrei

Warum diese Phase so wichtig ist

Die meisten gescheiterten Projekte gehen auf Fehler in der Anforderungsspezifikation zurück.
Fehler, die man früh findet, sind viel billiger zu beheben als Fehler, die erst in späteren Phasen auffallen.
Deshalb verdient das Requirements-Engineering besondere Sorgfalt.

Einfach erklärt: Merkt man beim Plan, dass das Bad zu klein ist, radiert man eine Linie weg. Merkt man es, wenn das Haus steht, muss man Wände abreißen.

Prüfungsfalle: Gescheiterte IT-Projekte scheitern laut dieser Sicht meist an falschen oder lückenhaften Anforderungen, nicht in erster Linie an schlechter Programmierung.
Prüfungsfalle: Korrekturen werden später teurer, nicht billiger. Je früher ein Fehler auffällt, desto günstiger.

Funktionale und nicht funktionale Anforderungen

ArtWas beschreibt sie?Beispiel (Lern-App)
Funktionale Anforderungwelche Funktionen das System bieten soll (was es tut)„Die App soll Karteikarten anlegen und abfragen können.“
Qualitätsanforderung (= nicht funktionale Anforderung)welche Qualitätseigenschaften das System haben soll (wie gut es etwas tut)„Die App soll eine Abfrage in unter einer Sekunde laden.“

Typische Qualitätsmerkmale sind etwa Zuverlässigkeit (läuft stabil, ist nach einer Störung schnell wieder da) und Leistung (reagiert schnell auf Anfragen).

Prüfungsfalle: „Das System soll ausfallsicher und schnell sein“ ist keine funktionale Anforderung, sondern eine Qualitätsanforderung (nicht funktional). Funktional ist nur, was das System tut, nicht wie gut.

VertiefungMehr Beispiele zum Unterscheiden

Ein Foodtruck lässt sich eine Vorbestell-App bauen.

AnforderungArt
Kund:innen können ein Gericht vorbestellen.funktional
Die App zeigt den aktuellen Standort des Trucks.funktional
Die Bezahlung per Karte ist möglich.funktional
Die App bleibt auch bei 500 gleichzeitigen Nutzer:innen schnell.Qualität
Nach einem Absturz ist die App in wenigen Minuten wieder online.Qualität
Die App ist ohne Anleitung bedienbar.Qualität
Zahlungsdaten werden verschlüsselt übertragen.Qualität

Faustregel: Kannst du die Anforderung als Tätigkeit beschreiben („die App macht X“), ist sie meist funktional. Beschreibt sie eine Eigenschaft („die App ist schnell, sicher, einfach“), ist sie eine Qualitätsanforderung.

Wer liefert Anforderungen? Alle Stakeholder: Kund:innen, die Köchin im Truck, die Buchhaltung, eventuell Behörden (Datenschutz). Werden wichtige Gruppen übersehen, fehlen Anforderungen, und genau daran scheitern viele Projekte.

5 Entwurf, Versionen und Tests ★★★

Zwischen der ersten Idee und der fertigen Software gibt es mehrere Vorabversionen. Und bevor Software in Betrieb geht, wird sie auf verschiedene Arten getestet. Beide Begriffsreihen sind typischer Detailstoff.

Arten von Entwürfen (Versionsstufen)

Die Stufen von „früh und unfertig“ bis „final“:

StufeWas ist fertig?Wer bekommt sie?
Prototypdemonstrierbare Vorabversion, die bestimmte Aspekte besonders zeigen sollzum Vorführen und Ausprobieren
Alphaversionnicht alle wesentlichen Funktionen umgesetzt, aber schon weitergebbarPersonen außerhalb des engen Entwicklungsteams
Betaversionalle wesentlichen Funktionen umgesetzt, aber noch nicht vollständig getestetTestnutzer:innen
Release Candidatealle Funktionen vollständig, bereits ausgiebig getestetgrößerer Personenkreis vor der Freigabe
Release-Versionfinale Versionwird an Dritte weitergegeben

Einfach erklärt: Bei einer neuen Torte in der Bäckerei ist der Prototyp das Probestück, das zeigen soll, wie die Creme schmeckt. Die Alpha bekommen die Kolleg:innen aus dem Verkauf, auch wenn die Deko noch fehlt. Die Beta ist komplett, aber noch nicht oft gebacken. Der Release Candidate geht als Kostprobe an Stammkund:innen. Die Release-Version steht in der Vitrine.

Prüfungsfalle: Alpha und Beta werden gern vertauscht. Alpha: noch nicht alle wesentlichen Funktionen. Beta: alle wesentlichen Funktionen da, aber noch nicht fertig getestet.
Prüfungsfalle: Ein Release Candidate ist schon ausgiebig getestet und funktional vollständig. Er ist nicht die finale Version, sondern geht vor der allgemeinen Freigabe an einen größeren Kreis.

Was ein Softwaretest ist

Softwaretest: der Prozess, in dem man prüft, ob ein Softwaresystem den zugrunde liegenden Spezifikationen entspricht und ob es in der vorgesehenen Systemumgebung lauffähig ist.

Testarten nach Umfang

TestWas wird getestet?
Modultesteinzelne Softwarekomponenten auf ihre korrekte Funktion
IntegrationstestKonfigurationen oder Subsysteme gemeinsam (arbeiten die Teile zusammen?)
Systemtestdas komplette Softwaresystem, grundsätzlich das fertig installierte IS
AkzeptanztestFunktionstest aus Sicht der Benutzer:innen

Testarten nach Blickwinkel und Zweck

TestKerngedanke
White-Box-Testschaut in die interne Struktur des Quellprogramms und prüft u. a. die Qualität des Codes
Black-Box-Testprüft „von außen“, ob die Anforderungen erfüllt sind; die Testerin kennt das Innere nicht
Regressionsteststellt sicher, dass ein vorher korrekt laufendes Programm nach Änderungen immer noch der Spezifikation entspricht

Einfach erklärt: Beim White-Box-Test schraubt der Mechaniker die Motorhaube auf. Beim Black-Box-Test fährt jemand eine Runde und schaut nur, ob das Auto bremst, lenkt und beschleunigt. Beim Regressionstest prüft man nach dem Reifenwechsel, ob die Bremsen immer noch gehen.

Prüfungsfalle: Beim Black-Box-Test kennt die Testerin die Interna nicht. Wer den Quellcode untersucht, macht einen White-Box-Test.
Prüfungsfalle: Ein Regressionstest prüft nicht neue Funktionen auf Herz und Nieren, sondern ob bisher Funktionierendes nach einer Änderung noch funktioniert.
Prüfungsfalle: Modultest = einzelne Komponente, Integrationstest = mehrere Teile zusammen, Systemtest = das ganze installierte System. Der Akzeptanztest nimmt die Sicht der Nutzer:innen ein.

VertiefungAlle Tests an einem Beispiel

Eine Lern-App bekommt ein neues Quiz-Modul.

1Modultest: Die Funktion, die Punkte zählt, wird für sich allein geprüft: Gibt sie bei 3 richtigen Antworten 3 Punkte?
2Integrationstest: Punktezähler und Bestenliste werden gemeinsam getestet: Landen die Punkte wirklich in der Liste?
3Systemtest: Die ganze App wird so installiert, wie sie später läuft, und komplett durchgeprüft.
4Akzeptanztest: Ein paar Studierende probieren das Quiz aus: Erfüllt es, was sie erwarten?
5White-Box-Test: Ein Entwickler liest den Code des Quiz und prüft, ob er sauber und vollständig ist.
6Black-Box-Test: Eine Testerin tippt nur Antworten ein und vergleicht das Ergebnis mit den Anforderungen, ohne den Code zu kennen.
7Regressionstest: Nach einem Update des Quiz wird geprüft, ob die alten Karteikarten-Funktionen noch laufen.

Zusammenhang mit den Phasen: Die Tests sind die Test-Phase im Entwicklungszyklus. Sie vergleichen das Ergebnis mit der Anforderungsspezifikation. Deshalb ist eine saubere Spezifikation so wichtig: Ohne klare Anforderungen weiß man gar nicht, wogegen man testet.

6 Vorgehensmodelle, Scrum und IS-Betrieb ★★

Wie organisiert man die Entwicklung? Es gibt viele Vorgehensmodelle, von schwergewichtig und planlastig bis leichtgewichtig und agil. Scrum ist das bekannteste agile Modell.

Grundsätze der IS-Entwicklungsprozesse

Weil die Aufgaben so komplex sind, werden die Aktivitäten nicht nur einmal durchlaufen, sondern wiederholt (iterativ).
Es gibt kein allgemein gültiges Phasenschema, das für jedes Softwareprojekt passt.
Welches Modell passt, hängt u. a. ab von:
–Umfang und Dauer des Projekts,
–Genauigkeit der Spezifikationen (wie klar die Anforderungen schon sind),
–Anzahl der beteiligten Entwickler:innen.

Prüfungsfalle: „Es gibt ein bestes Vorgehensmodell, das für alle Projekte gilt“ ist falsch. Die Wahl hängt von Projektgröße, Dauer, Klarheit der Spezifikation und Teamgröße ab.

Agile Entwicklungsprozessmodelle

Agile Entwicklungsprozessmodelle: leichtgewichtige, weitgehend unbürokratische Vorgehensmodelle. Typisch sind:

kleine Teilschritte mit greifbaren Ergebnissen,
anpassbare Vorgaben,
Teamwork,
weitgehende Selbstorganisation.

Sie sind die Alternative zu komplexen Prozessmodellen, die für große Entwicklungsteams gedacht sind. Als Inspiration diente auch die Open-Source-Entwicklung: Dort koordinieren sich oft hunderte Entwickler:innen ohne komplizierte Prozessmodelle und schaffen trotzdem hervorragende Software.

Einfach erklärt: Statt ein Jahr lang still eine riesige App zu bauen, liefert ein agiles Team alle zwei bis vier Wochen ein kleines, funktionierendes Stück. Kund:innen geben Feedback, und der Plan wird angepasst.

Prüfungsfalle: Agile Modelle sind leichtgewichtig und unbürokratisch, mit anpassbaren Vorgaben. Starre, im Voraus vollständig festgelegte Pläne sind gerade das Gegenteil von agil.

Scrum: Herkunft und Merkmale

Scrum: ein agiles Entwicklungsprozessmodell.

Ursprung: von Nonaka und Takeuchi im Kontext des Wissensmanagements entwickelt.
Übertragung auf agile Softwareentwicklung durch Sutherland und Schwaber (1995).
Fokus: schlanke Entwicklungsprojekte und kontinuierliche Verbesserung der Herstellungsprozesse.
Ein weitgehend selbstorganisiertes Team und ein Produktverantwortlicher tragen gemeinsam Verantwortung für Aufgabenpakete.
Scrum definiert sechs Rollen mit eigenen Verantwortlichkeiten.
Scrum legt verschiedene Besprechungen fest: von täglichen Gruppentreffen bis zu planenden und beurteilenden Treffen.

Prüfungsfalle: Scrum stammt ursprünglich aus dem Wissensmanagement (Nonaka und Takeuchi). Sutherland und Schwaber haben es 1995 auf die Softwareentwicklung übertragen, nicht erfunden.

Die sechs Rollen in Scrum

RolleVerantwortlich für
Product OwnerAnforderungen definieren und priorisieren; sorgt dafür, dass das Team die nötigen Infos hat
Scrum MasterEinhaltung des Scrum-Prozesses; unterstützt das Team, beseitigt Hindernisse, fördert laufende Verbesserung
EntwicklungsteamUmsetzung der Anforderungen, entwickelt das Produkt; arbeitet eng mit Product Owner und Scrum Master
Stakeholdergeben Feedback, sind am Erfolg des Projekts interessiert
Managementstellt Ressourcen bereit und unterstützt das Scrum-Team bei den Projektzielen
Scrum-Teamumfasst alle oben genannten Rollen; verantwortlich für den erfolgreichen Abschluss

Einfach erklärt: Drei Freundinnen bauen eine Lern-App. Lena entscheidet, welche Funktion zuerst kommt (Product Owner). Jonas achtet darauf, dass Sprint-Treffen stattfinden, und räumt Probleme aus dem Weg (Scrum Master). Mira und zwei weitere programmieren (Entwicklungsteam). Studierende testen und geben Rückmeldung (Stakeholder). Die Studienvertretung stellt Server und etwas Budget (Management).

Prüfungsfalle: Der Product Owner priorisiert die Anforderungen (das Was). Der Scrum Master kümmert sich um den Prozess und beseitigt Hindernisse (das Wie der Zusammenarbeit). Der Scrum Master ist kein klassischer Chef, der Aufgaben verteilt.
Prüfungsfalle: Ressourcen bereitstellen ist Aufgabe des Managements, nicht des Product Owners. Feedback geben vor allem die Stakeholder.

VertiefungWie ein Scrum-Durchlauf abläuft

Gearbeitet wird in kurzen, festen Zeitabschnitten, den Sprints (oft 1 bis 4 Wochen). Die Besprechungen strukturieren jeden Sprint (die Begriffe sind gängiges Allgemeinwissen zu Scrum):

1Planungstreffen (Sprint Planning): Was schaffen wir in diesem Sprint? Der Product Owner bringt die wichtigsten Punkte aus der priorisierten Aufgabenliste (Backlog) ein.
2Tägliches Treffen (Daily Scrum): kurzes Stand-up: Was habe ich gestern gemacht, was mache ich heute, was blockiert mich?
3Beurteilendes Treffen (Sprint Review): Das fertige Stück wird den Stakeholdern gezeigt, Feedback wird gesammelt.
4Rückblick (Retrospektive): Das Team bespricht, wie es seine Zusammenarbeit verbessert. Hier steckt die „kontinuierliche Verbesserung“.

Danach beginnt der nächste Sprint. Das spiegelt die Grundidee wider: Aktivitäten werden wiederholt durchlaufen, Vorgaben bleiben anpassbar.

Hinweis zu den Rollen: In vielen Darstellungen besteht der Kern von Scrum nur aus Product Owner, Scrum Master und Entwicklungsteam. Hier zählen zusätzlich Stakeholder und Management als Rollen, und das Scrum-Team bezeichnet alle zusammen. Für die Prüfung gilt diese Sechs-Rollen-Sicht.

VertiefungKlassische und agile Modelle im Vergleich

Neben agilen Modellen gibt es schwergewichtige, phasenorientierte Modelle (Allgemeinwissen zur Einordnung):

Wasserfallmodell: Phasen laufen streng nacheinander ab; eine Phase beginnt erst, wenn die vorige abgeschlossen ist. Gut, wenn die Anforderungen von Anfang an klar sind.
V-Modell: Jeder Entwicklungsphase steht eine passende Testphase gegenüber (z. B. Anforderungen ↔ Akzeptanztest, Entwurf ↔ Integrationstest).
Spiralmodell und iterative Modelle: Die Phasen werden mehrmals durchlaufen; nach jeder Runde wird das System größer und genauer.
Agile Modelle (z. B. Scrum): kurze Zyklen, viel Feedback, Selbstorganisation.
SituationEher passend
großes Projekt, klare, stabile Anforderungen, viele Beteiligteklassisch, phasenorientiert
kleines Team, unklare oder sich ändernde Anforderungenagil

IS-Betrieb

IS-Betrieb: vor allem die organisatorischen Maßnahmen, die den laufenden Betrieb eines Informationssystems in einer dynamischen Umwelt sicherstellen. Im PDCA-Zyklus ist das die Phase Act.

Einfach erklärt: Die Buchungs-App des Fahrradverleihs ist live. Jetzt muss jemand Updates einspielen, Störungen beheben, Daten sichern und auf neue Anforderungen reagieren, damit die App jeden Tag läuft.

7 Geschäftsprozesse und Geschäftsprozessmanagement ★★★

Informationssysteme sind kein Selbstzweck: Sie unterstützen die Abläufe, mit denen ein Unternehmen Wert schafft. Diese Abläufe heißen Geschäftsprozesse.

Prozess und Geschäftsprozess

Prozess: eine sachlogische Abfolge von Aktivitäten, die durch ein Startereignis ausgelöst wird und mit einem Endereignis endet.

Geschäftsprozess: eine zielgerichtete, zeitlich-logische Folge (Vorgangskette) von Aktivitäten, die für das Unternehmen einen Beitrag zur Wertschöpfung leistet.

Jeder Geschäftsprozess ist ein Prozess, aber nicht jeder Prozess ist ein Geschäftsprozess. Entscheidend ist der Beitrag zur Wertschöpfung des Unternehmens.

Prüfungsfalle: Das Merkmal, das einen Geschäftsprozess von einem bloßen Prozess abhebt, ist der Beitrag zur Wertschöpfung. Start- und Endereignis haben beide.

Die Merkmale eines Geschäftsprozesses

1Basis der Wertschöpfung: Er schafft Wert für die Kund:innen und für das Unternehmen selbst (den Wertzuwachs, den das Unternehmen erzeugt).
2Auslöser und Ergebnis: Jeder Geschäftsprozess hat einen Auslöser und ein Ergebnis.
3Ablauf der Aktivitäten: Aktivitäten können parallel, wiederholt oder alternativ (entweder/oder) ausgeführt werden.
4Mehrere Beteiligte: In der Regel sind mehrere organisatorische Einheiten beteiligt.
5Routine: Geschäftsprozesse sind wiederkehrende Routineaufgaben, keine einmaligen Einzelprojekte.

Prüfungsfalle: Ein einmaliges Projekt (z. B. die einmalige Übersiedlung in ein neues Büro) ist kein Geschäftsprozess. Geschäftsprozesse sind Routine.
Prüfungsfalle: Aktivitäten müssen nicht immer streng nacheinander laufen. Sie können auch parallel, wiederholt oder alternativ stattfinden.
Prüfungsfalle: An einem Geschäftsprozess ist in der Regel mehr als eine Organisationseinheit beteiligt, oft auch Externe wie Lieferanten.

Beispiel: Kaffeebohnen nachbestellen

Ein Kaffeehaus merkt jeden Montag, dass die Bohnen knapp werden. Die Filialleiterin prüft den Lagerstand und bestellt beim Röster nach. Ist die Bestellung teurer als 500 €, muss der Inhaber zustimmen. Der Röster liefert, die Buchhaltung bezahlt die Rechnung.

MerkmalIm Beispiel
WertschöpfungBohnen sind die Grundlage für den Kaffee, der verkauft wird
AuslöserLagerstand der Bohnen ist niedrig
Ergebnisvolles Bohnenlager, Rechnung bezahlt
Ablaufgroßteils nacheinander; eine Alternative bei der Freigabe (über 500 € oder nicht)
BeteiligteFilialleitung, Inhaber, Röster, Buchhaltung
Routinepassiert jede Woche

Geschäftsprozessmanagement

Geschäftsprozessmanagement (BPM, Business Process Management): der systematische Umgang mit Geschäftsprozessen. Prozesse werden erhoben, modelliert, analysiert, verbessert, umgesetzt und laufend überwacht.

Das Werkzeug zum Darstellen (Modellieren) ist eine Modellierungssprache wie BPMN. Weitere Modellierungssprachen sind z. B. EPK (ereignisgesteuerte Prozesskette), UML oder Petri-Netze.

Einfach erklärt: Geschäftsprozessmanagement ist wie ein Rezeptbuch für die Abläufe im Unternehmen: Man schreibt auf, wie etwas gemacht wird, sucht Stellen, wo es hakt, und verbessert das Rezept.

VertiefungWarum Prozesse und IS zusammengehören
IS unterstützen Prozesse: Erst wenn man den Ablauf kennt, weiß man, welche Software man braucht. Ein klar modellierter Bestellprozess ist eine ideale Grundlage für das Requirements-Engineering.
Automatisierung: Software kann einzelne Aktivitäten übernehmen, etwa das automatische Auslösen einer Nachbestellung, sobald der Lagerstand unter eine Grenze fällt.
Wertschöpfung und Innovation: Wer Prozesse schneller, billiger oder kundenfreundlicher macht, schafft zusätzlichen Wert für Kund:innen und Unternehmen. Das ist eine Form von Prozessinnovation.
Der Kreislauf wiederholt sich: Prozesse werden modelliert (Plan), mit IT umgesetzt (Do), überwacht (Check) und im Alltag verbessert (Act). Auch hier passt also der PDCA-Gedanke.

8 BPMN: Prozesse grafisch darstellen ★★★

Damit alle Beteiligten über einen Prozess reden können, braucht es eine gemeinsame Bildsprache. Das ist BPMN. Du musst die Grundelemente und ihre Bedeutung in Worten erklären können.

Begriff, Zweck und Nutzen

BPMN (Business Process Model and Notation): eine grafische Notationssprache, mit der man Geschäftsprozesse modellieren kann und die für alle Beteiligten leicht zu verwenden und zu verstehen ist.

Standardisiert: BPMN bietet eine einheitliche Darstellung der Prozesselemente, damit verschiedene Stakeholder den Prozess verstehen und darüber kommunizieren können.
Wenige Grundsymbole: Einige wenige Symbole bilden die Grundstruktur. Wie detailliert und komplex das Modell wird, lässt sich unterschiedlich stark ausbauen, je nach Bedarf der Stakeholder.
Nutzer:innen: Analyst:innen, Entwickler:innen und Anwender:innen.

Prüfungsfalle: BPMN ist nicht nur für IT-Fachleute. Sie soll gerade für alle Beteiligten verständlich sein: Analyst:innen, Entwickler:innen und Anwender:innen.
Prüfungsfalle: BPMN ist eine grafische Notation zur Modellierung, keine Programmiersprache und kein Softwareprodukt.

Die Grundelemente

ElementBedeutung im ProzessWie es aussieht
Startereignis (Ereignis)Auslöser des Prozesses, sein Startein Kreis mit dünnem Rand
Endereignis (Ereignis)Ergebnis, das Ende des Prozessesein Kreis mit dickem Rand
Aktivität (Objekttyp)ein Arbeitsschritt, der erledigt wirdein Rechteck mit abgerundeten Ecken, darin der Schritt (z. B. „Bestellung prüfen“)
Gateway (Objekttyp)ein Entscheidungspunkt, an dem sich der Ablauf verzweigt oder zusammenführteine Raute
Pool (Objekttyp)die Beteiligten des Prozessesein großes Rechteck um alle Schritte eines Beteiligten, mit dessen Namen am Rand

Die einzelnen Elemente werden mit Pfeilen verbunden, die die Reihenfolge zeigen (Sequenzfluss).

Einfach erklärt: Lies ein BPMN-Diagramm wie einen Brettspielplan: Beim dünnen Kreis geht’s los, die abgerundeten Kästchen sind Felder, auf denen etwas zu tun ist, an der Raute musst du dich entscheiden, beim dicken Kreis ist das Spiel aus. Der Pool ist der Spielbereich einer Spielerin.

Prüfungsfalle: Start- und Endereignis sind Ereignisse. Aktivität, Gateway und Pool zählen zu den Objekttypen. Ein Gateway ist kein Arbeitsschritt, sondern ein Entscheidungspunkt.
Prüfungsfalle: Der Pool stellt die Beteiligten dar, nicht eine Entscheidung und nicht einen einzelnen Arbeitsschritt.

Die wichtigsten Gateways (Entscheidungspunkte)

GatewaySymbol in WortenBedeutung
Exklusives Gateway (XOR)Raute, leer oder mit einem Xgenau ein Weg wird genommen (entweder/oder)
Paralleles Gateway (AND)Raute mit einem Plus (+)alle Wege laufen gleichzeitig; beim Zusammenführen wird auf alle gewartet
Inklusives Gateway (OR)Raute mit einem Kreis (O)einer oder mehrere Wege, je nach Bedingung

Gateways bilden genau die Merkmale von Geschäftsprozessen ab: alternative Aktivitäten (XOR) und parallele Aktivitäten (AND).

Prüfungsfalle: XOR = genau einer der Wege. AND = alle Wege gleichzeitig. OR = mindestens einer, eventuell mehrere. „Parallel“ und „exklusiv“ werden gern vertauscht.

Rechenbeispiel Den Bohnen-Prozess in BPMN lesen

So sieht der Kaffeehaus-Prozess aus Abschnitt 7 als BPMN-Modell aus, in Worten beschrieben:

1Pools: ein Pool „Kaffeehaus“ und ein Pool „Röster“ (zwei Beteiligte).
2Startereignis (dünner Kreis) im Kaffeehaus: „Bohnenvorrat niedrig“.
3Aktivität: „Lagerstand prüfen“, danach Aktivität „Bestellung erstellen“.
4Exklusives Gateway (X): „Betrag über 500 €?“
–Ja: Aktivität „Freigabe durch Inhaber“, dann weiter.
–Nein: direkt weiter.
5Ein zweites exklusives Gateway führt beide Wege wieder zusammen.
6Aktivität: „Bestellung senden“. Die Bestellung wandert als Nachricht in den Pool „Röster“, der „Bohnen liefern“ ausführt.
7Aktivität: „Rechnung bezahlen“.
8Endereignis (dicker Kreis): „Lager aufgefüllt“.

Ergebnis: Alle Merkmale eines Geschäftsprozesses sind sichtbar: Auslöser (Start), Ergebnis (Ende), Arbeitsschritte, eine Alternative (Gateway) und mehrere Beteiligte (Pools).

VertiefungWeitere BPMN-Elemente

Über die Grundstruktur hinaus gibt es zusätzliche Symbole, die man je nach Detailgrad verwendet (Allgemeinwissen zur Einordnung):

Lanes (Bahnen): Unterteilung eines Pools in Streifen, etwa „Filialleitung“, „Inhaber“, „Buchhaltung“ innerhalb des Pools „Kaffeehaus“. So sieht man, wer innerhalb einer Organisation welchen Schritt erledigt.
Sequenzfluss: durchgezogener Pfeil, zeigt die Reihenfolge innerhalb eines Pools.
Nachrichtenfluss: gestrichelter Pfeil, zeigt den Austausch von Nachrichten zwischen Pools (z. B. Bestellung an den Röster).
Zwischenereignis: Kreis mit doppeltem Rand, etwas passiert während des Prozesses (z. B. „Lieferung eingetroffen“ oder „eine Woche warten“).

Warum wenige Grundsymbole reichen: Für ein Gespräch mit der Geschäftsführung genügen Start, Aktivitäten, Gateways, Ende und Pools. Für die IT-Umsetzung kann dasselbe Modell später viel feiner ausgebaut werden. Genau das meint „unterschiedlicher Detaillierungs- und Komplexitätsgrad je nach Bedürfnis der Stakeholder“.

Checkliste: Das musst du können

Ich kann erklären, was ein Informationssystem ist und warum Menschen dazugehören.
Ich kann IS-Management definieren und Planung, Entwicklung, Betrieb und Kontrolle dem PDCA-Zyklus zuordnen.
Ich kann die vier Wege der Softwarebeschaffung nennen und SaaS erklären.
Ich kann Standard- vs. Individualsoftware und kommerzielle vs. Open-Source-Software unterscheiden und je vier Vorteile zuordnen.
Ich kann IT-Governance definieren, COBIT und ITIL unterscheiden und die sechs COBIT-2019-Prinzipien aufzählen.
Ich kann den IS-Entwicklungszyklus in der richtigen Reihenfolge erklären und sagen, warum Requirements-Engineering so wichtig ist.
Ich kann funktionale von nicht funktionalen (Qualitäts-)Anforderungen unterscheiden.
Ich kann Prototyp, Alpha, Beta, Release Candidate und Release unterscheiden.
Ich kann alle sieben Testarten erklären (Modul, Integration, System, Akzeptanz, White-Box, Black-Box, Regression).
Ich kann agile Modelle beschreiben, die Herkunft von Scrum nennen und die sechs Scrum-Rollen zuordnen.
Ich kann Prozess und Geschäftsprozess unterscheiden und die fünf Merkmale eines Geschäftsprozesses an einem Beispiel zeigen.
Ich kann die BPMN-Grundelemente (Start, Ende, Aktivität, Gateway, Pool) und die Gateway-Arten in Worten beschreiben.

Dieses Kapitel ist im STEOP-Pass enthalten.

Mit dem Pass bekommst du alle Zusammenfassungen, alle Übungsfragen, unbegrenzte Probeklausuren, den Lernplan, Lernkarten und Telegram-Support – einmalig 39,99 € 79,98 €, kein Abo.